Pistorius-Prozess: Richterin schließt vorsätzlichen Mord aus

11. September 2014, 14:32
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Die Staatsanwaltschaft habe nicht genügend Beweise vorbringen können, sagt Thokozile Masipa - Urteil frühestens am Freitag

Pretoria - Im Mordprozess gegen den südafrikanischen Sportler Oscar Pistorius hat am Donnerstag die Richterin das Wort ergriffen. Thokozile Masipa urteilt darüber, ob Pistorius seine Freundin Reeva Steenkamp absichtlich oder irrtümlich erschossen hat.

storyful, youtube/marius van der walt (jacaranda fm)

Die Richterin sagte, sie sehe einen vorsätzlichen Mord nicht bewiesen, und schloss ihn aus. Die Staatsanwaltschaft habe dafür nicht genügend Beweise vorbringen können. Gleichzeitig übte sie auch Kritik am Verhalten des Angeklagten vor Gericht. Pistorius habe während des Prozesses ausweichend geantwortet. Sie betonte jedoch, dass jemand, der nicht die Wahrheit sage, nicht automatisch schuldig sei.

Ein Urteil wird es frühestens am Freitag geben. Zahlreiche Journalisten versammelten sich bereits am Donnerstag vor und in dem Gerichtsgebäude.

Der 27-jährige Pistorius hat die Schüsse in der Nacht auf den Valentinstag 2013 nie bestritten, argumentiert aber, im Badezimmer einen Fremden vermutet und aus Panik vor dem vermeintlichen Einbrecher gehandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vorsätzlichen Mord vor.

Freispruch nicht ausgeschlossen

Das Strafmaß dürfte die Richterin erst mehrere Wochen nach ihrem Urteil bekanntgeben. Sie hat bei der Strafe großen Ermessensspielraum. Eine Prognose über den Ausgang des Prozesses wagte bisher fast niemand. Grundsätzlich ist von einer lebenslangen Gefängnis- bis zur Bewährungsstrafe alles möglich. Selbst ein Freispruch ist nicht ausgeschlossen, gilt aber als unwahrscheinlich.

Staatsanwalt Gerrie Nel hatte Pistorius in seiner Schlussrede vor rund einem Monat vorgeworfen, die Wahrheit bei seinen Aussagen stets zu seinen Gunsten verdreht zu haben. Pistorius müsse in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden.

Verteidiger Barry Roux verlangte einen Freispruch und erklärte die tödlichen Schüsse seines Mandanten mit dessen Angststörung. Pistorius' überzogene Angst sei mit der hohen Kriminalitätsrate in Südafrika und der Behinderung des Angeklagten zu erklären.

Olympiastart auf Prothesen

Der Prozess hatte vor rund sechs Monaten begonnen. Der beinamputierte Pistorius hatte 2012 in London mit seinem Olympiastart auf Prothesen weltweit für Aufsehen gesorgt.(APA/dpa, 11.9.2014)

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    foto: apa/epa/phill magakoe / pool
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