AUA drängt auf Einigung auf neuen Kollektivvertrag

11. September 2014, 17:51
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Gelingt keine Einigung auf einen neuen Kollektivvertrag, steht eine Neugründung im Raum sowie die Abwicklung der AUA in der bisherigen Form

Wien - Der AUA-Aufsichtsrat tagte am Donnerstag lange und heraus kam: Zwei Jahre nach der Kündigung des AUA-Kollektivvertrages und der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes, dass der alte AUA-Kollektivvertrag (KV) so lange nachwirkt, bis ein neuer abgeschlossen ist, will das Unternehmen mit dem Betriebsrat eine "Verhandlungslösung".

Anfang Oktober tagt der Aufsichtsrat erneut. Gibt es bis dahin keine Einigung über einen neuen Kollektivvertrag, werden Alternativszenarien ausgearbeitet.

Diese Alternativszenarien könnten weitreichende Folgen haben: Dem Vernehmen nach wird überlegt, die AUA mitsamt Tyrolean dichtzumachen, also abzuwickeln und durch eine Neugründung zu ersetzen. Betroffen wären rund 3.000 Mitarbeiter. Die Lufthansa hat die AUA 2009 übernommen. Erst im Vorjahr gelang es der Airline - erstmals seit 2007 -, wieder einen kleinen operativen Gewinn zu erzielen. AUA-Sprecher Peter Thier möchte sich zu dazu nicht äußern, sagte er im Gespräch mit dem STANDARD.

Starke Konkurrenz

"Wir nehmen diese richterliche Entscheidung zur Kenntnis und respektieren sie. Im Zusammenhang mit der speziellen Wettbewerbssituation in Österreich belastet sie unsere wirtschaftliche Situation aber zusätzlich. Denn wir konkurrieren am Standort Wien mit Airlines, die mit günstigeren Konzepten wie zum Beispiel Leiharbeitsmodellen und grundsätzlich ohne Kollektivvertrag arbeiten. Letztendlich macht es uns der Richterspruch aus Luxemburg nicht leicht, uns als Qualitätsairline gegenüber dem Wettbewerb zu behaupten", sagte AUA-Chef Jaan Albrecht in einer Aussendung.

Die Zeit für eine Einigung mit der Bordbelegschaft drängt: Denn nach dem EuGH wären nun wieder die Höchstrichter in Wien am Wort. Der Oberste Gerichtshof hat die Entscheidung darüber, ob der Betriebsübergang 2012 von der (teuren) AUA auf die (billigere) Regionaltochter Tyrolean rechtens war, auf Eis gelegt und wartete die Entscheidung der Luxemburger Behörde ab.

Nachzahlungen

Unbestritten ist, dass der AUA nach dem gestrigen Urteil Nachzahlungen an die Mitarbeiter bevorstehen, deren Gehälter seit 2012 eingefroren sind. Über deren Höhe werden keine Angaben gemacht. In der Halbjahresbilanz wurde ein zweistelliger Millionenbetrag rückgestellt. Fest steht jedenfalls auch, dass den Bordbeschäftigten ein Vergleich abgerungen werden soll, um den Arbeitskonflikt beizulegen.

Im aus Unternehmenssicht schlimmsten Fall stehen Mehrkosten in dreistelliger Millionenhöhe im Raum. Damit wäre ein guter Teil der 2012 aufgesetzten drastischen Einsparungen verpulvert.

Die Lufthansa wird der AUA jedenfalls kein Geld nachschießen. Sie kämpft selbst in Deutschland mit streikenden Piloten. Die Lufthansa-Piloten streikten zum dritten Mal innerhalb von zehn Tagen. Die Deutschen unter dem neuen Chef Carsten Spohr wollen - aus Kostengründen - das Mindestalter für die Frührente von 55 auf 60 Jahre erhöhen, im Durchschnitt sollen die Piloten statt bisher im Schnitt mit 59 Jahren mit 61 Jahren in Pension gehen können. Die Änderungen sollen gestaffelt eingeführt werden und diejenigen, die schon kurz vor der Pensionierung stehen, am wenigsten treffen. Jüngeren Piloten, die sowieso noch Jahrzehnte weiterfliegen werden, soll hingegen mehr zugemutet werden.

Hinter den Kulissen wird bei der AUA freilich intensiv an einem neuen Kollektivvertrag verhandelt. Es heißt, der Wille, diesen abzuschließen, sei auf beiden Seiten vorhanden.(Claudia Ruff, DER STANDARD, 12.9.2014)

  • Im Streit um den Kollektivvertrag gab der EuGH der AUA-Belegschaft recht.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Im Streit um den Kollektivvertrag gab der EuGH der AUA-Belegschaft recht.

  • Das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zum AUA-Streit.

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