Österreich: 15 Prozent weniger russisches Gas

11. September 2014, 21:14
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Erklärungsansatz der E-Control: Speicher in Russland werden gefüllt - Auch in Slowakei weniger Gas als üblich angekommen

Wien/Moskau - In einigen Ländern Zentral- und Osteuropas ist am Freitag erneut weniger russisches Gas angekommen als geplant. In der Slowakei - dem wichtigsten Knotenpunkt für die Weiterverteilung in die EU - sei die Liefermenge um zehn Prozent reduziert, erklärte der Gasimporteur SSP. Die österreichische OMV habe am Freitag den zweiten Tag in Folge zehn bis 15 Prozent weniger Brennstoff vom russischen Monopolisten Gazprom erhalten als ursprünglich vereinbart, sagte ein Sprecher. Und auch in Rumänien lägen die Liefermengen fünf Prozent unter dem vereinbarten Niveau, sagte Energieminister Razvan Nicolescu. Polen, wo am Mittwoch nur etwa gut die Hälfte der bestellten Lieferungen angekommen waren, habe am Donnerstag bereits wieder mehr russisches Gas erhalten als am Vortag, erklärte der Pipelinebetreiber Gaz-System.

Schon am Donnerstag sind laut E-Control 15 Prozent weniger Gas als vorab bestellt in Österreich angekommen. "Ein Erklärungsansatz ist, dass Speicher in Russland gefüllt werden und auch deshalb weniger Gas für den Transit, den Import für Europa, zur Verfügung steht", sagte Bernhard Painz, Leiter der Gasabteilung der Energieregulierungsbehörde E-Control, der "Zeit im Bild".

Die OMV zeigte sich von der reduzierten Gasmenge nicht überrascht. "Wir wurden vorab darüber von unseren russischen Partnern informiert", sagte ein OMV-Sprecher am Donnerstagabend. Auch in den nächsten Tagen könne die Gasmenge aus Russland geringer ausfallen. "Das muss man sich von Tag zu Tag ansehen", hieß es. Auch bei der OMV kamen zehn bis 15 Prozent weniger an als vereinbart. Man sei zwar über die Lieferdrosselung informiert gewesen, nicht aber über die Gründe dafür. Engpässe in der Versorgung Österreichs seien aufgrund der gut gefüllten Speicher nicht zu befürchten, erklärte die OMV. Zudem lägen die geringeren Mengen innerhalb der üblichen Schwankungsbreite.

Gasspeicher voll

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hatte am Donnerstag im Ö1-"Morgenjournal" betont, dass die Gasspeicher so gut wie voll seien. "Nachdem sich die Krise ja seit mehreren Wochen abzeichnet, haben wir rechtzeitig reagieren können."

Ende August hatte bereits E-Control-Vorstand Walter Boltz darauf hingewiesen, dass die Gasspeicher schon voll seien. Bei einem Ausfall von russischem Erdgas könne Österreich mehrere Wochen oder sogar Monate ohne ernsthafte Versorgungsprobleme durchkommen. Österreich deckt rund 56 Prozent seines Gasaufkommens durch Russland.

In der Slowakei sind am Donnerstag zehn Prozent weniger russisches Gas als üblich angekommen. Der polnische Energiekonzern PGNiG meldete, dass die Gaszufuhr am Mittwoch 45 Prozent unter der mit Gazprom vereinbarten Menge gelegen sei. Offiziell dementiert der russische Konzern, dass weniger Gas geliefert wird. Vorerst bleibt unklar, ob der Lieferengpass einen technischen oder einen politischen Hintergrund hat. (APA, 11.9.2014)

  • Russland liefert weniger Gas.
    foto: ap/josek

    Russland liefert weniger Gas.

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