Die Auferstehung der Azzurri

10. September 2014, 17:39
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Trainer Antonio Conte hat das italienische Team runderneuert. Der Sieg in Norwegen war ganz nach seinem Geschmack

Oslo/Wien - Mario Balotelli war gesperrt, Andrea Pirlo ist verletzt. Und trotzdem: Es hätte kaum besser laufen können für die italienische Nationalmannschaft. Die Demütigung bei der WM in Brasilien scheint bereits vergessen, das 2:0 in Norwegen zum Auftakt der EM-Qualifikation wird als Aufbruch in ein neues Zeitalter gefeiert. "Die Azzurri", schrieb die "Gazzetta dello Sport", "sind wieder auferstanden."

Die Euphorie mag nach einem Sieg in einem Test gegen die Niederlande (2:0) und dem Erfolg in Oslo voreilig sein, doch die Tifosi reiben sich verwundert die Augen über den Beginn der Amtszeit des neuen Trainers Antonio Conte. "Es ist", schrieb der "Corriere dello Sport", "als wären bereits Jahrzehnte seit der verheerenden WM in Brasilien vergangen." Dort waren die Italiener bereits in der Vorrunde gescheitert.

Simone Zaza (16.) und Leonardo Bonnuci (62.) erzielten die Treffer gegen Norwegen, doch was das Publikum in Italien überraschte und begeisterte, war das erfrischende Auftreten der Mannschaft. "So ein Team hätten wir in Brasilien sehen wollen", kommentierte "Tuttosport", "das ist kein Italien der Phänomene, sondern eine Auswahl, die mit Wut und sportlichem Elan um den letzten Ball kämpft."

Nach Erfolg hungern

Es war eine Vorstellung ganz nach dem Geschmack Contes, der in den vergangenen drei Jahren jeweils Meister mit Juventus Turin geworden war. "Ich brauche Spieler, die nach Erfolgen hungern, die stolz sind, das Trikot der Azzurri zu tragen. Ich mag Stürmer wie Zaza und Immobile, die auch die Abwehr unterstützen. Mein Ziel ist es, junge Spieler zu belohnen, die aufsteigen wollen", sagte er.

Weil Zaza (23) und der Dortmunder Ciro Immobile (24) so prächtig harmonieren im 3-5-2, wird sich der zu Liverpool gewechselte Balotelli wohl anstellen müssen. Pirlo (35) war nur wegen einer Verletzung nicht dabei. "Ich wollte schon aufhören, für die Nationalmannschaft zu spielen. Aber Conte hat mich gefragt, ob ich ein bisschen mithelfen könnte. Ich will ein bisschen."

Die Mithilfe beim Neuaufbau scheint zunächst einmal nicht nötig. Der 45-jährige Conte setzte sieben Spieler ein, die nicht bei der WM dabei waren, und insgesamt wirkte das neue Gebilde sehr homogen. "Wir haben nur neun Tage gemeinsam trainiert, und wir haben zweimal überzeugt", sagte der Coach. Der Stolz in der Stimme war unüberhörbar. (red, DER STANDARD, 11.9.2014)

  • Glücklich in Oslo: Antonio Conte.
    foto: reuters

    Glücklich in Oslo: Antonio Conte.

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