Warum sich tropische Bäume unabhängig von ihren Eltern entwickeln

13. September 2014, 18:00
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Forscher fanden heraus, dass in artenreichen Regenwäldern Generalisten dominieren - Die Ursache dafür sind räumliche Zufallsprozesse

Leipzig - In tropischen Regenwäldern wachsen junge Bäume überwiegend räumlich getrennt von ihren Elternbäumen auf. In welcher Umgebung die Nachkommen später Wurzeln schlagen, lässt sich demnach nicht vorhersehen.

Wenig spezialisierte Arten sind daher auch in den sehr artenreichen Regenwäldern der Tropen im Vorteil. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), der University of California und des Smithsonian Tropical Research Institutes aktuell im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B".

Für ihre Studie hatten die Wissenschafter die Daten von sechs Waldinventuren aus den letzten Jahrzehnten auf der Insel Barro Colorado im Panama-Kanal ausgewertet. In diesem 50 Hektar großen Tieflandregenwald wachsen insgesamt 300 unterschiedliche Baumarten. Davon wurden insgesamt 65 Arten ausgewählt, die mit jeweils mindestens 50 Exemplaren als Jung- sowie Elternbäume vertreten waren. Anschließend analysierten die Forscher die räumliche Verteilung zwischen den Generationen.

Auswege aus ökologischen Abhängigkeiten

Das Ergebnis: Bei rund drei Viertel der Arten gab es keinen räumlichen Zusammenhang zwischen den Elternpflanzen und ihrem Nachwuchs. "Dieses Ergebnis ist überraschend, da die Samen in diesem Tropenwald meist nicht sehr weit verbreitet werden und der Nachwuchs daher eigentlich in der Nähe der Eltern wachsen sollte", berichtet Stephan Getzin vom UFZ.

Als Ursache dafür vermuten die Forscher räumliche Zufallsprozesse wie etwa die Verbreitung der Samen durch Tiere. Diese Zufallsprozesse überlagern dabei die von der klassischen ökologischen Theorie vorhergesagten Abhängigkeiten und führen de facto zu einer Unabhängigkeit der Pflanzen.

Diese Ergebnisse stützen die sogenannte "Neutrale Theorie" von Stephen P. Hubbell von der University of California, der ebenfalls an der Studie beteiligt war. Seine Theorie versucht, den Artenreichtum tropischer Regenwälder mit der vereinfachten Annahme zu erklären, dass sich alle Baumarten gleich verhalten. Auch hier spielen Zufallsprozesse eine große Rolle. In artenreichen Wäldern obliege es demnach dem Zufall, mit welchen Nachbarn ein Baum konkurrieren müsse - weshalb die Arten zu Generalisten geworden seien.

Zufällige Einflüsse dürften also auch den Lebensort von Jungbäumen in erheblichem Maße bestimmen und die Arten auf diese Weise zu Generalisten werden. (red, derStandard.at, 13.9.2014)

  • In diesem tropischen Tieflandregenwald auf Barro Colorado Island leben mehr als 300 Baum-  und Straucharten.
    foto: stephan getzin, ufz

    In diesem tropischen Tieflandregenwald auf Barro Colorado Island leben mehr als 300 Baum- und Straucharten.

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