Wrack von John Franklins Arktis-Expedition entdeckt

10. September 2014, 16:54
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Die Dampfschiffe "HMS Erebus" und "HMS Terror" verschwanden auf der Suche nach der Nordwestpassage

Montreal - Ein Sensationsfund im arktischen Eis elektrisiert Kanada: Rund 170 Jahre nach der Arktisexpedition des britischen Polarforschers John Franklin ist das Wrack eines seiner beiden Schiffe entdeckt worden. Vorerst ist noch unklar, ob es sich bei dem von einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug entdeckten Wrack um die "HMS Erebus" oder die "HMS Terror" handelt.

Der britische Konteradmiral Franklin war mit den beiden Dampfschiffen am 19. Mai 1845 von England aus in See gestochen, um die damals sagenumwobene Nordwestpassage zu finden, die Atlantik und Pazifik verbindet. Letztmals von Europäern gesichtet wurden die beiden Schiffe, die als die Prunkstücke der britischen Marine galten, im Juli oder August 1845 von der Besatzung zweier Walfangschiffe in der Baffin Bay zwischen Grönland und dem Arktischen Archipel. Nach einer Überwinterung konnten sie 1846 noch ein letztes Mal losfahren, nach einer weiteren war dies im Sommer 1847 nicht mehr möglich.

Tragödie im Eis

Nach dem Verschwinden der Schiffe begannen jahrelange Suchaktionen, die aber nicht zu den Schiffswracks führten. Bereits 1859 war ein von der Witwe Lady Jane Franklin angeheuertes Schiff auf Spuren der Franklin-Expedition gestoßen. Auf der King-William-Insel fand das Suchteam in einem Steinhügel eine düstere Botschaft: Demnach waren die beiden Franklin-Schiffe im Eis stecken geblieben.

Nach eineinhalb Jahren in Gefangenschaft im Eis gingen die Vorräte aus. John Franklin und 23 Crew-Mitglieder starben dieser Botschaft zufolge am 11. Juni 1847 - unter nicht näher geklärten Umständen. Die 105 Überlebenden der Mannschaft ließen am 22. April 1848 die Schiffe zurück und machten sich zu Fuß auf den Weg durch das Eis. Keiner von ihnen kam durch.

Wiederaufnahme der Suche

In den 1980er-Jahren entdeckten kanadische Forscher auf der Beechley-Insel die sterblichen Überreste von Besatzungsmitgliedern. Sie waren an Hunger, Frost und Bleivergiftungen aus Dosennahrung gestorben, wie die Untersuchungen ergaben. Knochenfunde deuteten zudem auf Kannibalismus hin.

In den vergangenen Jahren unternahm Kanada dann erneut verstärkte Anstrengungen, die Überreste der Expedition aufzuspüren. Seit 2008 gab es sechs großangelegte Suchaktionen, für die Schiffe der kanadischen Küstenwache eingesetzt wurden.

Das Wrack wurde schließlich am vergangenen Sonntag in der Meerenge Victoria Strait vor der King-William-Insel entdeckt. Damit sei eines der größten Rätsel der kanadischen Geschichte gelöst, sagte der kanadische Premier Stephen Harper, der von einem "wahrhaft historischen Moment" für Kanada sprach. Nach seinen Angaben gibt es ausreichend Belege dafür, dass es sich tatsächlich um ein Wrack der legendären Expedition handelt. Er zeigte sich optimistisch, dass nun auch bald das zweite Schiffswrack gefunden wird.

Gegenwartspolitische Aspekte

Dass Harper den archäologischen Sensationsfund höchstpersönlich verkündete, hat auch einen aktuellen politischen Grund. Der Premier hob hervor, dass die Franklin-Expedition "die Grundlage für Kanadas staatliche Souveränität" in der Arktis gelegt habe. Diese Worte spiegeln den kanadischen Anspruch auf staatliche Souveränität über die rund 5.780 Kilometer lange Nordwestpassage wider, die wegen des Abschmelzen des Eises am Nordpol als Schifffahrtsweg zunehmend an Bedeutung gewinnt. Der kanadische Anspruch wird jedoch von den USA und anderen Ländern angefochten, die in der Passage einen internationalen Wasserweg sehen.

Im Zuge der langjährigen Suchen nach der Franklin-Expedition wurde schließlich die Nordwestpassage tatsächlich entdeckt. Erstmals auf der kompletten Strecke durchfahren wurde die Passage von dem Norweger Roald Amundsen zwischen 1903 und 1906. (APA/red, derStandard.at, 10.9.2014)

  • Noch ist unklar, ob es sich bei dem Wrack um die "Terror" oder um die "Erebus" handelt.
    foto: apa/epa/parks canada

    Noch ist unklar, ob es sich bei dem Wrack um die "Terror" oder um die "Erebus" handelt.

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    foto: reuters/parks canada/handout
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