"Chickenshit": Wohngemeinschaft sinnierender Männer

10. September 2014, 17:11
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Englische Version von Baryllis "Butterbrot" im Vienna's English Theatre

Wien - Die Zutaten von Gabriel Baryllis Butterbrot: drei Männer, eine Wohnung, Alkohol und tiefsinnige Gespräche. Erstmals wurde die Komödie nun ins Englische übersetzt, sie ist unter dem Titel Chickenshit derzeit im Vienna's English Theatre zu sehen.

Architekt Martin und Schauspieler Stefan, gespielt von Dave Moskin und Howard Nightingall, nehmen den von Alfons Haider verkörperten Peter in ihre WG auf, als sich dieser von seiner Frau trennt. Sie habe ihn betrogen - dass er selbst unzählige Male untreu gewesen war, sieht er als unproblematisch. Im Zuge dieses neuartigen Beziehungsstatus beginnen die Männer über Leben, Beziehungen und Frauen zu sinnieren - und sehen in ihrer vom weiblichen Geschlecht abgeschirmten WG die Lösung ihrer Probleme. Erst als sich Martin wieder verliebt und ausziehen möchte, wird dieses Lebenskonzept infrage gestellt und führt zu großen emotionalen Ausbrüchen.

Was Anfang der Neunzigerjahre zu einem der erfolgreichsten Bühnenstücke wurde, scheint heute über den Status einer flachen Männerfantasie nicht hinauszugehen. Während zu Anfang von Baryllis Inszenierung die Gespräche der Protagonisten durchaus selbstreflexiv wirken, wird bald klar, dass die tatsächlichen Ursachen ihrer psychischen Zustände kaum tangiert werden. Die Ängste, Enttäuschungen und Zwänge, welche die drei im Zuge eines solchen "Männer-Rückzugs" erlebt haben müssten, werden höchstens angesprochen, Ergebnis gibt es aber keines.

Haider wirkt in der Rolle des betrogenen Ehegatten seltsam deplatziert - sein etwas fahriges Schauspiel will in der Rolle des eher smarten Schuhverkäufers nicht so recht passen. Doch vor allem krankt sein Charakter wie auch das restliche Stück an mangelnder Weiterentwicklung. Wie bei einer amerikanischen Sitcom gibt es kein Vorankommen in der Handlung, die vorgeblich tiefsinnigen, semiphilosophischen Gespräche treiben eher an der Oberfläche.

So bleibt schließlich die Frage, ob sich seit der Uraufführung 1988 die Themen des Mannes nicht ganz einfach gewandelt haben. Da hilft auch die Übersetzung ins Englische (Alan Goodson, Jerry Marwig) nicht. (Lina Paulitsch, DER STANDARD, 11.9.2014)

Bis 19.10.

  • WG-Feier: Peter (A. Haider), Martin (Dave Moskin, re.).
    foto: vienna's english theatre

    WG-Feier: Peter (A. Haider), Martin (Dave Moskin, re.).

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