Naturschützer befürchten Aussterben von Feldvogelarten

11. September 2014, 05:30
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Mit Kürzungen von Geldern für Naturschutzprogramme in Österreich ist das Aus für Feldvogelarten vorgezeichnet, warnen zahlreiche Naturschützer. Auch die EU kritisiert die laschen Umweltziele

Wien - Es geht um viel Geld: Bis Ende September, so die selbstgesetzte Frist, muss das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sein "Programm für ländliche Entwicklung 2014-2020" bei der EU-Kommission einreichen. Wird es akzeptiert, werden auch dank Kofinanzierung durch die EU jährlich 1,1 Milliarden Euro an Fördermitteln an Österreichs Landwirte ausgeschüttet.

Mit dem im April eingereichten Entwurf zeigte sich die EU-Kommission aber nicht zufrieden: Das Ministerium von Andrä Rupprechter (ÖVP) wurde in einem Brief darauf hingewiesen, den Entwurf nachzubessern, wenn weiterhin EU-Gelder fließen sollen. 176 Anmerkungen wurden angeführt, einige stellten auch Österreichs Bemühungen punkto Umweltschutz infrage.

Mit der EU-Kritik fühlen sich Naturschutzorganisationen bestätigt. In einer gemeinsamen Aktion weisen Birdlife, WWF, Naturfreunde und Naturschutzbund darauf hin, dass mit den im Entwurf gekürzten Geldern für Umweltschutz das Artensterben von Feldvögeln sowie der Biodiversitätsverlust dramatisch voranschreiten wird. Gespräche mit dem Ministerbüro seien ergebnislos geblieben, sagt stellvertretend Hans Uhl von Birdlife. "Die Umweltinteressen werden jenen der Intensivlandwirtschaft geopfert."

Blauracke vor Aussterben

So steht laut Birdlife die Blauracke in Österreich vor dem Aussterben. Nur noch drei bis fünf Paare gibt es trotz eines Schutzgebiets in der Südoststeiermark, vor sechzig Jahren betrug allein der steirische Bestand 300 bis 400 Paare. Schuld ist etwa die Umwandlung von Wiesen in Äcker und Weiden in Maisäcker.

Der Bestand des Braunkehlchens, einst auf artenreichen Wiesen weitverbreitet, hat in Oberösterreich seit 1998 um zwei Drittel abgenommen. Die Abnahme des Braunkehlchens könnte gestoppt werden, wenn artenreiche Wiesen düngerfrei gehalten und erst im Sommer gemäht werden, um Bodenbruten im Juni zu schonen. "Es sind zwar Braunkehlchen-Förderprogramme angedacht", sagt Uhl. "Die Prämien sind für Landwirte aber zu unattraktiv gestaltet."

Auch Rebhuhn steht vor dem Aus

Auch das Rebhuhn steht vor dem Aus: Die Bestände haben laut Zählprogrammen von Birdlife seit 1998 in Europa um 94 Prozent und in Österreich um 72 Prozent abgenommen. Insgesamt schreite das Artensterben von Feldvögeln in Österreich schneller voran als im EU-Durchschnitt.

Die EU hat das Agrar-Umweltschutzprogramm Öpul ins Visier genommen und ein vernichtendes Urteil gefällt. In Anmerkung 13 heißt es: "Es lässt sich nur schwer nachvollziehen, warum eine kontinuierlich hohe finanzielle Förderung für den Umweltbereich (...) und eine hohe Inanspruchnahme seitens der Landwirte zu keiner onkreten Verbesserung der Umweltqualität führt. Es stellt sich die Frage, ob die Gestaltung der Maßnahmen dem Anforderungsgrad angemessen ist und ob die Maßnahmen effizient genug sind." Im letzten Programm wurden jährlich 540 Millionen Euro über Öpul ausgeschüttet.

Ministerium: Keine Mittelstreichungen

Die Kritik von Birdlife und Co, dass statt notwendiger direkter Mittel für Umweltschutzprojekte in der Höhe von mindestens 25 Millionen Euro nur 18 Millionen dafür reserviert sind, will das Büro von Minister Rupprechter nicht stehenlassen. "Es ist schlicht nicht richtig, dass Mittel für den Naturschutz gestrichen werden", heißt es in einer Stellungnahme zum STANDARD. "Trotz insgesamt weniger Mittel für das Gesamtprogramm und die Aufnahme zusätzlicher Maßnahmen etwa im Sozialbereich wurden die Naturschutzmittel auf hohem Niveau gehalten." (David Krutzler, DER STANDARD, 11.9.2014)

  • In Österreich gibt es nur noch drei bis fünf Paare der Blauracke. In den 1950ern waren es 300 bis 400 allein in der Steiermark.
    foto: tiefenbach

    In Österreich gibt es nur noch drei bis fünf Paare der Blauracke. In den 1950ern waren es 300 bis 400 allein in der Steiermark.

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