Freispruch für Femen-Aktivistinnen nach Aktion in Notre-Dame

10. September 2014, 15:35
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Frauen war in Paris Beschädigung von Glocke vorgeworfen worden - Mitglieder des Ordnungsdiensts zu Geldstrafen verurteilt

Paris - Neun Femen-Aktivistinnen sind nach einer Oben-ohne-Aktion in der Pariser Kathedrale Notre-Dame vom Vorwurf freigesprochen worden, eine Glocke beschädigt zu haben. Den Frauen könne nicht nachgewiesen werden, dass sie für die Beschädigung der im Kirchenschiff ausgestellten Glocke verantwortlich seien, urteilte ein Pariser Gericht am Mittwoch.

Dagegen wurden drei Mitglieder des Ordnungsdiensts der Kathedrale, die die Aktivistinnen hinausgeworfen hatten, wegen ihres harten Vorgehens zu Geldstrafen auf Bewährung verurteilt. Die Aktivistinnen hatten im Februar 2013 die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. auf eigene Weise gefeiert und zugleich gegen die katholische Kirche protestiert: Sie drängten zusammen mit TouristInnen in die weltberühmte Kathedrale, setzten sich auf den Sockel der dort gerade ausgestellten neuen Glocken und entblößten ihre Brüste. Auf ihre Körper hatten sie Slogans wie "Bye, bye, Benedikt" und "Glaubenskrise" gemalt, dazu riefen sie "Pope no more" (Kein Papst mehr).

Stöcke mit Filz überzogen

Die Aktivistinnen schlugen zudem mit Holzstöcken auf die Glocken, die später in den Türmen von Notre-Dame aufgehängt wurden. Die Verantwortlichen der Kathedrale warfen ihnen vor, dabei eine mit Blattgold überzogene Glocke beschädigt zu haben. Die Frauen wiesen jede Verantwortung zurück und beteuerten, sie hätten die Stöcke mit Filz überzogen. Ihr Anwalt sagte vor Gericht, die von der Polizei festgestellten Schäden könnten auch von anderen Besuchern stammen - oder von den Mitarbeitern des Ordnungsdienstes der Kathedrale, die die Femen-Aktivistinnen schließlich aus dem Kirchengebäude schleiften.

Weil die Mitarbeiter dabei wenig zimperlich vorgingen, wurden drei von ihnen am Mittwoch wie von der Staatsanwaltschaft gefordert zu Geldstrafen von 250, 300 und 500 Euro auf Bewährung verurteilt. Einer von ihnen soll den Kopf einer Aktivistin auf den Boden geschlagen haben, wobei ein Zahn der Frau brach. Eine andere Aktivistin gab an, einer der Männer habe ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

"Was haben Sie erwartet?"

Die Pariser Staatsanwaltschaft hatte für die Frauen Geldstrafen von jeweils 1.500 Euro gefordert. Über den Freispruch zeigte sich Femen-Anführerin Inna Schewtschenko am Mittwoch höchst erfreut: "Wir sind sehr froh, sehr zufrieden, aber was haben Sie anderes erwartet - dass wir verlieren?" Sie und die anderen Aktivistinnen hätten "gute Arbeit geleistet, wir haben gewonnen". Ihren Kampf gegen die Kirche werde sie fortsetzen.

Die ursprünglich aus der Ukraine stammende Gruppe protestiert mit Oben-Ohne-Aktionen für Frauenrechte, gegen die katholische Kirche und auch gegen Russlands Staatschef Wladmir Putin und die Politik seines Landes. An den Aktionen wird immer wieder Kritik laut. Viele werfen den Femen-Frauen vor, in erster Linie an Selbstdarstellung interessiert zu sein. (APA, 10.9.2014)

  • Inna Schewtschenko (Mitte): "Wir haben gute Arbeit geleistet."
    foto: ap/michel euler

    Inna Schewtschenko (Mitte): "Wir haben gute Arbeit geleistet."

  • Die Aktivistinnen hatten im Februar 2013 die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. "gefeiert" und gegen die katholische Kirche protestiert.
    foto: ap/michel euler

    Die Aktivistinnen hatten im Februar 2013 die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. "gefeiert" und gegen die katholische Kirche protestiert.

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