Mozart im Reich der lebendigen Scherenschnitte

10. September 2014, 17:00
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Mit Suzanne Andrades und Barrie Koskys animierender Inszenierung von Mozarts "Zauberflöte" eröffnet das Festspielhaus St. Pölten seine neue Saison. Auf dem Programm stehen weiters moderner Tanz, klassische Klänge und Unterhaltungsmusik von Pop bis Jazz

Weiß geschminkte Gesichter, dunkel umrandete Augen und rote Lippen, dazu die Mode der 1920er-Jahre. Unverkennbar zeigt sich diese Zauberflöte einer anderen Zeit verpflichtet. Doch das ist noch lange nicht alles, was die Fassung von Mozarts berühmter Oper, mit der das Festspielhaus St. Pölten seine Saison eröffnet, ausmacht. Suzanne Andrade und Paul Barritt, sie bilden gemeinsam die britische Theatergruppe "1927", und Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, machen in ihrer Inszenierung dem Märchenhaften der Zauberflöte alle Ehre: In einer virtuos abgestimmten Komposition verschmelzen sie Musik, Gesang und Schauspiel mit Animationsfilm und Comicelementen.

Tamino, Papageno und Pamina werden in diesem multimedialen Werk auf ihrer Suche nach der Liebe in eine Zauberwelt der ungeahnten Möglichkeiten versetzt.

Noten umschwirren die libellengewordene Zauberflöte, riesige Blumen öffnen ihre Knospen, fliegende rosa Elefanten dienen als Reittiere. Struppige Katzen und grässliche Höllenhunde bevölkern die Bühnenleinwand als lebendig gewordene Scherenschnitte. Die Königin der Nacht lässt als Skelett auf Spinnenbeinen Blitze aus ihrem knochigen Zeigefinger schießen. Und selbst ein mannshoher zweidimensionaler Cocktail kann in dieser Welt problemlos ausgetrunken werden.

Paul Barritts fantastische, düster-komische Animationen und Esther Bialas' Kostüme wecken - dem Namen der Künstlergruppe entsprechend - Reminiszenzen an den frühen Film: Schon meint man, Buster Keaton und Nosferatu hätten die Bühne betreten. Bereits in ihren Shows Between the Devil and the Deep Blue Sea und The Animals and Children Took to the Streets entwickelte "1927" den eigenwilligen, höchst unterhaltsamen Stil, der auch diese Zauberflöte auszeichnet.

Unter der musikalischen Leitung von Kristiina Poska ist Andrades und Koskys Werk mit dem Tonkünstler-Orchester Niederösterreich und dem Arnold Schoenberg Chor im Festspielhaus als österreichische Erstaufführung zu sehen. (Sabina Zeithammer, Spezial, DER STANDARD, 11.9.2014)

"Die Zauberflöte", 27.9., 19.30; 28.9., 16.00


Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung des Festspielhaus St. Pölten. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Schwarze Katze reitet auf rosa Ballerinen-Elefanten: Diese Inszenierung der "Zauberflöte" ist eine märchenhafte Mischung aus Oper und Animationsfilm.
    foto: iko freese

    Schwarze Katze reitet auf rosa Ballerinen-Elefanten: Diese Inszenierung der "Zauberflöte" ist eine märchenhafte Mischung aus Oper und Animationsfilm.

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