Bernstein konserviert 49 Millionen Jahre alte Milbenattacke

14. September 2014, 17:08
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Beispiel für eine lange zurückreichende Bezeihungsgeschichte von Wirt und Parasit: Raubmilbe "reitet" auf Kopf von Ameise

Berlin - Ein im Eozän ebenso alltäglicher Vorgang wie heute wurde durch einen Zufall über fast 50 Millionen Jahre hinweg in der Zeit eingefroren: Parasitenbefall. Ein Forscherteam um Jason Dunlop vom Berliner Museum für Naturkunde berichtet in der Fachzeitschrift "Biology Letters" vom einzigartigen Fund einer 49 Millionen Jahre alten Raubmilbe, die auf dem Kopf einer Ameise sitzt - Wirt und Parasit beide in baltischem Bernstein eingeschlossen.

Beziehung mit Geschichte

Raubmilben (Mesostigmata) sind eine vielfältige Gruppe der Spinnentiere mit mehr als 11.400 beschriebenen Arten. Eine von ihnen sorgt regelmäßig für Schlagzeilen: Die Varroamilbe, die Bienenvölker befällt und als schlimmster Bienenschädling weltweit gilt.

Die einseitige Beziehung zwischen Raubmilben und Insekten aus der Wespenverwandtschaft (zu der neben Bienen auch Ameisen zählen), zeigt der aktuelle Bernsteinfund.

Äußerst seltener Fund

Die Milbe aus dem Eozän gehört zur heute noch lebenden Gattung Myrmozercon und ist etwa 0,7 Millimeter groß. Auch alle 24 heutigen Arten von Myrmozercon leben unter Ameisen und können genauso auf dem Kopf oder auf anderen Körperteilen "reiten“ wie ihre 49 Millionen Jahre alte Verwandte. Die Milben sind sehr wahrscheinlich Parasiten, die sich bei Bedarf von ihrem Wirt ernähren.

Der neue Bernsteinfund ist nicht nur der älteste Beweis der Gattung Myrmozercon, er ist auch ein extrem seltenes Beispiel für eine eindeutige ökologische Beziehung zwischen zwei fossilen Arten. Weltweit sind nur vierzehn ähnliche Funde aus der Fachliteratur bekannt.

Grund dafür könnte die Tatsache sein, dass Raubmilben Bodentiere sind und darum nur sehr selten mit Baumharz, dem Ursprung des Bernsteins, in Berührung kommen. Und es gibt praktisch keine andere Möglichkeit, dass die Winzlinge konserviert werden könnten. (red, derStandard.at, 14. 9. 2014)

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