FPÖ will Ministeranklage gegen Faymann wegen "Neutralitätsbruchs"

10. September 2014, 14:32
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Strache fordert "Vetoallianz" in EU gegen Russland-Sanktionen entschuldigt sich bei russischem Volk

Wien - Die FPÖ hat angekündigt, im Parlament eine Ministeranklage gegen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) einzubringen. Mit der Zustimmung zu den neuen Russland-Sanktionen der EU habe die Bundesregierung einen Verfassungsbruch begangen, sagte Parteichef Heinz-ChristianStrache am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien.

Mit dem Antrag in der nächsten Nationalratssitzung wollen die Freiheitlichen das Parlament auffordern, Anklage gegen den Bundeskanzler beim Verfassungsgerichtshof zu erheben. "Die Grundsätze des Neutralitätsgesetzes wurden nicht eingehalten, und somit liegt eine Verletzung von Verfassungsrecht vor", so Strache. Um ein Regierungsmitglied wegen Verfehlungen beim VfGH anzuklagen, ist eine einfache Mehrheit im Nationalrat nötig. Im Falle einer Verurteilung würde im schlimmsten Fall der Amtsverlust drohen.

Strache: Österreich betreibt Kriegstreiberei

Österreich habe den jüngsten EU-Sanktionen gegen Russland offensichtlich zugestimmt, sagte Strache. "Die Regierung setzt tausende Arbeitsplätze aufs Spiel und gießt zusätzlich Öl ins Feuer", so der FPÖ-Chef, der von Kriegstreiberei sprach. Angesichts der negativen wirtschaftlichen Folgen seien die EU-Sanktionen ein "Schuss ins eigene Knie". Von der Regierung fordert die FPÖ daher eine Gaspreisgarantie für die Bevölkerung, da mit Lieferausfällen zu rechnen sei.

Mit anderen EU-Ländern, die Bedenken gegen eine weitere Verschärfung der Sanktionen hätten - Slowakei, Tschechien, Finnland, Ungarn, Zypern, Rumänien und Italien -, solle Österreich endlich eine Vetoallianz schließen und gemeinsam gegen schärfere Sanktionen eintreten, forderte Strache.

Strache spricht "im Namen der Österreicher"

Wichtig sei es in der Ukraine-Krise, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und diplomatisch alles dafür zu tun, um den Konflikt zu lösen. Dazu müsse klar sein, dass die Ukraine nicht Teil der NATO werde, sondern ein neutrales Land bleibe, dass das Land föderal werde und eine Autonomie für die Bevölkerung der Süd- und Ostukraine garantiere, so Strache. Mit der aktuellen Strategie, weiter an der Sanktionsschraube zu gehen, gehe man aber "Richtung Eiszeit, Richtung neuer Eiserner Vorhang und Richtung neuer Kalter Krieg". Strache entschuldigte sich daher "im Namen der Österreicher" beim russischen Volk. (APA, 10.9.2014)

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