Papst-Besuch an Isonzofront: 14.550 k. u. k. Soldaten ruhen in Friaul

10. September 2014, 14:05
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Namensschilder auf den Gräbern rufen alle Kronländer der Monarchie in Erinnerung - In Fogliano Redipuglia befinden sich Überreste von Gefallenen aus den zwölf Isonzo-Schlachten

Triest - Die Namensschilder auf den Gräbern rufen alle Kronländer der habsburgischen Monarchie in Erinnerung. Deutsche, slawische, ungarische oder jüdische Namen sind auf den Steingräbern des Soldatenfriedhofs in Fogliano Redipuglia, 30 Kilometer von Triest entfernt, zu lesen. Doch die Mehrzahl der insgesamt 14.550 Toten hat keinen Namen.

Auf dem schlichten Kriegsfriedhof wurden zwischen Mai 1915 und Oktober 1917 in den Isonzo-Schlachten gefallene österreichisch-ungarische Soldaten begraben. Lediglich 2.500 Gefallene sind identifiziert, alle anderen liegen in Sammelgräbern. Drei Massengräber mit einmal 7.000 und zweimal je 2.500 Gefallenen befinden sich auf dem von Zypressen umrahmten Friedhof.

Der Eingang trägt die Inschrift "Im Leben und im Tod vereint". Wie sie gemeinsam die großen, blutigen Schlachten im Triestiner Karstgebiet an der Isonzo-Front erlebten, teilen die Gefallenen auch die letzte Ruhestätte. Auf den einfachen Steinplatten ist meist nur der Name der Soldaten zu lesen, in einigen Fällen das Todesdatum.

Auf den Namensplatten einiger ungarischer Soldaten legten Angehörige eine Schleife mit den Farben Ungarns nieder. Eine Inschrift weist auf das "brüderliche Mitleid Italiens" hin, das diese Gedenkstätte den "aus Vaterlandsliebe gefallenen Helden des österreichisch-ungarischen Heeres" errichtet hat. Ein würdiger Ort für ein stilles Gedenken.

"Zum Soldatenfriedhof pilgern jährlich unzählige Besucher aus Österreich, immer mehr auch aus Ungarn. Das Interesse an der Tragödie, die sich hier abgespielt hat, ist in den Menschen besonders lebendig und nimmt angesichts der bevorstehenden Gedenkfeiern für den 100. Jahrestag des Kriegsbeginns besonders stark zu", berichtet Franco Visintin, Gründer des Verbands "Friedenswege", im Gespräch mit der APA. Der Förderverein setzt sich für den Schutz und die Verwertung der vielen Orte, Mahnmale, Museen und anderen Erinnerungsstätten an den Ersten Weltkrieg im Karstgebiet ein. Visintins Verein kümmert sich um die Grabpflege.

Der österreichisch-ungarische Friedhof wurde 1974 von der Feuerwehrjugend Steiermark und der steiermärkischen Landesregierung renoviert und 1989 von der Gemeinde Fogliano di Redipuglia und dem Österreichischen Schwarzen Kreuz in den jetzigen Zustand versetzt. Die "Leobener Blaumützen" restaurierten vier Jahre lang bis 2007 2.500 Grabtafeln auf dem Kriegsfriedhof. Viele zerfallene Namenstafeln wurden in mühevoller Kleinarbeit wieder auf Hochglanz gebracht. In den Jahren der Restaurierungsarbeiten beteiligten sich 31 Jugendliche aus Österreich, Polen und Ungarn am Projekt.

Kaum einen Kilometer von der österreichischen Gedenkstätte entfernt ließ Benito Mussolini 1938 das größte Kriegerdenkmal Europas errichten, das jedes Jahr das Ziel tausender Besucher ist. Der italienische Soldatenfriedhof von Redipuglia, auf dem die Reste von 100.000 Gefallenen ruhen, führt in 22 Terrassen einen Hügel hinauf, der im Ersten Weltkrieg heiß umkämpft war. Obwohl er nur leicht ansteigt, ermöglicht der Hügel von seiner Anhöhe aus im großen Umkreis den westlichen Zugang zu den ersten Erhebungen der Hochebene des Karsts zu beherrschen.

Die Terrassen stellen symbolisch einen riesigen Soldatenantritt dar, an dessen höchstem Punkt sich drei helle Kreuze erheben, die an Golgatha erinnern. Die majestätische, schaurige Freitreppe aus weißem Marmor scheint direkt in den Himmel zu führen. Auf der Plattform der letzten Stufe bleibt das immer wiederkehrende Wort "Presente" (Hier!) noch lange in Erinnerung.

An der Basis der monumentalen Stiege steht das Monolithengrab des Duca d'Aosta, Befehlshaber des dritten Heeres. Hinter den Bronzetafeln mit den Namen der 100.187 gefallenen italienischen Soldaten befinden sich die kleinen Zinksärge mit dem, was von ihnen blieb. Die Namen der Gefallenen sind feinsäuberlich alphabetisch geordnet. Bei einigen sind Geburts- und Todesdaten eingraviert, bei vielen lediglich ein Name.

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