Ja, Logo!

Kolumne10. September 2014, 17:26
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Modisches Understatement hat gerade ausgedient. Überall schreien die fetten Marken-Schriftzüge: Zieh mich an!

Was für ein Auftritt. Die Logos, einmal rund um Brustkorb und Hüften bandagiert, haben Rihanna fest im Griff. Doch dem nicht genug. Auf ihren Brüsten rechts ein A und links ein W. Und dann wickeln sich da noch "Alexander Wang"-Schriftzüge um die Knie, ein weiterer fällt die Schienbeine hinunter. Man mag es kaum glauben: Rihanna wurde nicht vom Arzt ihres Vertrauens einbandagiert, einer ihrer Lieblings-Designer hat sie angezogen. Doch es kommt noch besser.

Die hautenge Sport-Pelle, über und über mit dem Namen des New Yorker Designers zugekleistert, wird demnächst in den Regalen von H&M liegen. Damit Alexander Wangs Entwürfe nicht mit den durchschnittlichen Schweden-Happen in den Regalen von nebenan verwechselt werden, bleiben das H und das M unsichtbar. Für so viel Logo rund um einen freiliegenden Bauchnabel hatte die amerikanische Vogue nur eine Erklärung: "Logomania!" Und die Überschrift, die trifft's. Fette Logos gelten in der Mode gerade wieder einmal als das Salz in der Suppe.

Über die Dosierung von Buchstaben und Schriftzügen gibt es allerdings sehr unterschiedliche Ansichten. Dass Alexander Wang seinen Namen über Shirts und Oberteile rastert, ist nicht neu. Aber er steht ja nicht alleine da. Jeremy Scott verpasst bei Moschino mit dem goldigen Schriftzug des italienischen Labels selbst den Rucksäcken und Mützen eine Portion Bling-Bling.

foto: reuters/plunkett

Und das New Yorker Label Hood By Air? Ist auch deshalb gerade so angesagt, weil es den Hosen die Abkürzung HBA auf die Knie pappt.

Und auch das ist natürlich nicht wahnsinnig neu. Überhaupt kann das hemmungslose Markengeprotze 2014 eigentlich nur noch als Zitat verstanden werden. Oder wie war das noch mal mit dem Adidas-Bekenntnis von Run-DMC?

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Das bescherte dem Unternehmen vor fast 30 Jahren Umsatzrekorde. In den Zeiten von Instagram ist das mit der Halbwertszeit der Logos allerdings so eine Sache.

Nach einer Saison haben sich alle tot gesehen. So schlimm ist das doch gar nicht? Na ja. Es war einmal ein Tigersweater. Mit dem sorgte das Label Kenzo vor zwei Jahren für glühende Kreditkarten. Heute kräht kein Hahn mehr nach dem Tiger. Was Alexander Wang daraus lernen könnte? Er sollte seine Logo-Bandagen nicht allzu oft herzeigen. Sonst ist der Spaß vorbei, bevor der Verkauf begonnen hat. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 10.9.2014)

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foto: hersteller
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