Judith Hermann erhält Erich-Fried-Preis

10. September 2014, 11:33
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Die Autorin habe die Erzählung wieder in den Mittelpunkt literarischen Interesses gerückt, urteilt Alleinjurorin Monika Maron

Wien - Die deutsche Autorin Judith Hermann (44) erhält den mit 15.000 Euro dotierten Erich-Fried-Preis 2014. Das gab die Internationale Erich-Fried-Gesellschaft am Mittwoch bekannt. Die Verleihung findet am 23. November im Literaturhaus Wien statt. Hermann wurde 1998 mit ihrem ersten Buch, dem Erzählband "Sommerhaus, später", bekannt. Kürzlich erschien ihr Roman "Aller Liebe Anfang".

"Judith Hermann erzählt kühl und gleichermaßen zärtlich von Menschen, die tastend und sehnsüchtig ihren Platz in einer Gesellschaft suchen, die das Individuum in die Freiheit entlassen hat, eine Freiheit, die Sehnsucht erzeugt nach Sinn und Verbindlichkeit", so die Alleinjurorin dieses Jahres, Monika Maron, in ihrer Begründung. "Damit beschreibt sie nicht nur die emotionale Verunsicherung der jungen Generation, sondern auch die ihrer desillusionierten Eltern und Großeltern, denen die kollektiven Ziele und Träume im Laufe des Lebens abhanden gekommen sind. Mit ihrer erzählerischen Kunst hat Judith Hermann das Stiefkind der deutschen Literatur, die Erzählung, wieder in den Mittelpunkt literarischen Interesses gerückt."

Bereits mehrfach ausgezeichnet

Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Nach "Sommerhaus, später" erschienen die Erzählbande "Nichts als Gespenster" und "Alice". Sie wurde bisher unter anderem mit dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis ausgezeichnet. In "Aller Liebe Anfang" schildert sie eindringlich eine einseitige aufgezwungene Beziehung, bei der sich ein Stalker in ein fremdes Leben drängt.

Der Fried-Preis wird seit 1990 vergeben. Bisher wurden unter anderen Christoph Hein, Robert Schindel, Paul Nizon, Gert Jonke, Oskar Pastior, Robert Menasse, Marcel Beyer, Peter Waterhouse, Alois Hotschnig, Thomas Stangl und zuletzt Rainer Merkel ausgezeichnet.

Am 21. und 22. November, den Tagen vor der Preisverleihung, veranstaltet die Fried-Gesellschaft zusammen mit dem Literaturhaus Wien zu Ehren von Friederike Mayröcker ein Symposium unter dem Titel "Und ich schüttelte meinen Text und ich erwartete weitere Früchte". (APA, 10.9.2014)

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