AUA: Anspannung vor Richterspruch

10. September 2014, 17:01
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Am Donnerstag steht für die AUA viel auf dem Spiel: Der Europäische Gerichtshof entscheidet über die Nachwirkung des AUA-Kollektivvertrags

Wien - Karsten Benz blieb zwei Jahre im AUA-Vorstand und verabschiedet sich per Ende September wieder Richtung Lufthansa nach Frankfurt. Seine Position mit Schwerpunkt Netzwerk und Vertrieb übernimmt nun Andreas Otto. Der 51-Jährige war bisher im Vorstand der Lufthansa-Fracht-Tochter Cargo für das Produkt zuständig. Ottos Bestellung soll der AUA-Aufsichtsrat am Donnerstag beschließen.

Viel entscheidender für die AUA ist am Donnerstag aber eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH). Zur Erinnerung: Vor zwei Jahren hatte der damals neue Austrian-Chef Jaan Albrecht angesichts der hohen Verluste und hohen Kosten für die Piloten und mangels Einigung über Kostensenkungen im Vorfeld den Betrieb der AUA auf die kostengünstigere Tyrolean übertragen. Die AUA als Marke blieb bestehen, geflogen wird aber mit der Lizenz von Tyrolean. Weil beide Kollektivverträge (KVs) gekündigt wurden, gibt es seither Unternehmensrichtlinien.

Das fliegende Personal klagte in zwei Verfahren und bekam bisher in allen Instanzen recht.

Der EuGH wird nun entscheiden, ob der alte (teure) AUA-Kollektivvertrag - wie die AUA-Piloten meinen - nachwirkt. In aller Regel folgt der EuGH der Meinung des Generalanwaltes. Und dieser hat bereits kundgetan, dass der alte Austrian-KV weiterhin gilt.

Die Lage ist aber insofern kompliziert, weil 2012 der Vorstand nicht nur den AUA-KV kündigte, sondern die Gewerkschaft als Reaktion darauf auch jenen der Tyrolean. Wenn also beide Kollektivverträge gekündigt wurden, welcher würde dann jetzt wieder gelten? Bisher konnten sich AUA und Gewerkschaft noch immer nicht auf einen neuen KV einigen.

Am Oberlandesgericht Wien wird darüber hinaus in einem separaten Verfahren entschieden, ob der Betriebsübergang an sich rechtens war. Auch hier hat Austrian den Rechtsstreit in erster Instanz verloren, ist aber in Berufung gegangen. Ein Urteil wird nicht vor Jahresende erwartet. Zu klären gilt es auch, ob Austrian für die Zeit seit dem Betriebsübergang Mitte 2012 den Mitarbeitern Geld nachzahlen muss. Das könnte Millionen kosten, Geld, das die AUA nicht hat und die Lufthansa ihr nicht geben wird.

Streik in München

In München streikten die Lufthansa-Piloten erneut für die Beibehaltung einer vorzeitigen Pension mit frühestens 55 Jahren, im Schnitt sind es 59 Jahre. Die Lufthansa will eine Aufstockung auf 61 Jahre. 140 Flüge fielen am Mittwoch aus. Eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht. Nun hat die Lufthansa angekündigt, sich nächste Woche unter Umgehung der Gewerkschaft direkt an die Mitarbeiter zu wenden. Mit freiwilligen Piloten konnten zumindest die Langstreckenflüge durchgeführt werden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 11.9.2014)

  • Andreas Otto, bisher Lufthansa Cargo, wechselt zur AUA.
    foto: lufthansa

    Andreas Otto, bisher Lufthansa Cargo, wechselt zur AUA.

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