Apple Watch: Alles, was es zu wissen gibt

10. September 2014, 10:49
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Vom neuen Bedienkonzept bis zu Hardwaredetails - Zahlreiche verschiedene Varianten geplant

Was viele Jahre ein bloßes Gerücht war, wurde am Dienstagabend in den Status eines offiziellen Produkts transformiert: Mit der Apple Watch steigt der iPhone-Hersteller aus Cupertino im US-Bundesstaat Kalifornien in den Smartwatch-Bereich ein.

Verschmelzung von Hard- und Software

Drei Jahre habe man an der Uhr gearbeitet, betont das Unternehmen. Was dabei herausgekommen ist, soll nicht einfach eine weitere Smartwatch sein, wie sie mittlerweile viele Hersteller im Angebot haben, sondern eine Einheit aus Hard- und Software, die dieser Sparte zum Durchbruch verhelfen soll - so zumindest das Versprechen des Unternehmens. Besonders deutlich manifestiert sich dieser Ansatz bei etwas, das Apple "Digital Crown" nennt: Ein kleines Rädchen an der Seite soll eine zentrale Rolle bei der Interaktion mit der Uhr spielen. Apple zeigte bei seiner Präsentation wie damit auf einer Karte gezoomt werden kann, auch für die zentrale Navigation oder zur Feineinstellung soll sie zum Einsatz kommen.

Am Rad drehen

Ein Knopfdruck auf das Rädchen bringt die Rückkehr zum Home Screen - ähnlich wie es beim iPhone auch der Fall ist. Ein weiteres physisches Element im Design der Apple Watch ist ein ebenfalls seitlich angebrachter Knopf, der eine Liste von aktuell kontaktierten Personen aufruft. Mit diesen können dann Informationen ausgetauscht werden. Apple zeigte etwa vor, wie kleine, selbst gezeichnete Grafiken oder auch der eigene Puls weitergereicht werden, dasselbe funktioniert auch mit kurzen Sprachnachrichten. Zudem soll es möglich sein, kleine Vibrationen auf der Apple Watch des Gegenübers auszulösen, ein Art weitergereichte Emotion so das Konzept. All dies soll wohl unterstreichen, wie "persönlich" die Apple Watch ist - ein Umstand, den das Unternehmen im Verlaufe der Präsentation immer wieder herausstrich.

apple

Neben der "Digital Crown" soll die Eingabe aber natürlich auch über den Touchscreen erfolgen. Und in dieser Hinsicht hat sich Apple etwas Neues einfallen lassen: Die Uhr kann zwischen einer leichten und einer festeren Berührung unterscheiden, letztere wird dann zu einer Art Rechtsklick für die Smartwatch-Ära und bietet zusätzlich Optionen zu den jeweiligen Aktivitäten an.

Apps

Eine zentrale Rolle in der Frage, ob die Apple Watch ein Erfolg wird oder nicht, werden die verfügbaren Apps einnehmen. In dieser Hinsicht gab sich Apple noch recht zurückhaltend, Gerüchten zufolge sollen ja gerade erst die ersten Drittentwickler eine Vorversion des Software Development Kits erhalten haben. So fokussierte das Unternehmen denn in seiner Präsentation vor allem auf das, was die Uhr schon von Haus aus kann - allen voran die Fitness- und Gesundheitsfunktionen. So können etwa diverse Workout-Ziele definiert werden, dank auf der Unterseite angebrachter Sensoren kann die Apple Watch den Puls messen. Auch der Kalorienverbrauch und wie lange man steht oder sitzt wird erfasst. Weitere Apps, die Apple demonstrierte, waren ein Kartenservice, der auch zur Navigation genutzt werden kann, sowie ein Fotoanwendung. Bei beiden scheint die "Digital Crown" in der Interaktion eine wichtige Rolle einzunehmen.

Der Start der Apps erfolgt über eine Art Cloud-Darstellung, in der die einzelnen Programme als Icons am Homescreen herumschweben. Per Swipe lässt sich ein gewisser Bereich auswählen, an den dann mittels der "Digital Crown" näher herangezoomt werden kann. Auf diese Weise soll der Überblick auch bei einer großen Anzahl von Apps auf einem kleinen Bildschirm bewahrt bleiben. Wie von anderen Smartwatches bekannt, hat Apple eine Reihe von Watchfaces demonstriert, mit der das Aussehen der Uhr individualisiert werden kann - vom Sport-Look bis zur Mickey-Mouse-Uhr.

Hardware

Damit das User Interface auch wirklich flüssig läuft, hat Apple einen eigenen Prozessor namens S1 entwickelt, zu dem man bisher aber noch keine Details liefert. Das Aufladen der Uhr funktioniert drahtlos, hierfür wird es ein eigenes, magnetisches Ladekabel geben, das auf der Rückseite angebracht wird. Die Nutzung von NFC ermöglicht den Einsatz der Apple Watch, um Kaufvorgänge mittels des ebenfalls gerade erst vorgestellten Apple Pay zu initiieren. Über einen Deal mit Hotelbetreibern soll es zudem künftig möglich sein, die eigene Uhr als digitalen Schlüssel für den Zutritt zum Zimmer zu verwenden. Für Datenverbindungen ist die Uhr von einem per Bluetooth verbundenen iPhone abhängig, selbiges gilt für die Ortsbestimmung per GPS. Das Vorhandensein eines Smartphones des Unternehmens ist aber auch sonst eine fixe Bedingung für die Nutzung der Apple Watch, wobei alle Modelle ab dem iPhone 5 unterstützt werden, solange sie auf iOS 8 laufen.

Benachrichtigungen mit Extra

Apropos iPhone: Neben Apps sollen auf der Apple Watch auch sämtliche Benachrichtigungen vom Smartphone übernommen werden. Drittentwickler können ihre Apps mittels des WatchKit anpassen, um mehr Möglichkeiten zur Interaktion zu bieten. So sollen dann etwa Freundschaftsanfragen auf Facebook direkt auf der Uhr angenommen werden können, natürlich ist es auch möglich Antworten auf Nachrichten per Spracheingabe zu formulieren. Der digitale Sprachassistent Siri darf bei der Apple Watch natürlich auch nicht fehlen, zudem ist es möglich Anrufe auf dem iPhone direkt auf der Uhr entgegenzunehmen - oder an andere Geräte weiterzureichen.

Informationszentrale

Mit den "Glances" bekommen dauerhaft nützliche Informationen - etwa das Wetter oder aktuelle Kalendereinträge - einen fixen Ort auf der Apple Watch. Sie sind über einen Swipe vom unteren Bildschirmrand zu erreichen. Dabei sollen dank dem mit iOS 8 und OS X 10.10 eingeführten Continuity auch automatisch Informationen von anderen Geräten übernommen werden - etwa zu gerade gespielter Musik und samt der Möglichkeit der Fernsteuerung. Die Glances sind also quasi Apples Antwort auf die Karten von "Google Now" - allerdings ohne deren Automatismus.

Akku

Die große unbeantwortete Frage der Keynote bleibt jene nach der Akkulaufzeit. Einige Bemerkungen ließen sich aber so deuten, dass die Apple Watch jeden Abend frisch aufgeladen werden muss, die Akkulaufzeit also im Rahmen aktueller Smartwatches mit Android Wear liegt. Wohl nicht zuletzt aus Stromspargründen bleibt der Bildschirm der Apple Watch von Haus aus deaktiviert, erst bei Drehung des Handgelenks wird das Interface angezeigt. Ähnliche macht dies auch die Moto 360, während andere Smartwatches zumeist eine Schwarz/Weiß-Ansicht haben, die immer aktiv ist. Entgegen früheren Berichten ist die Apple Watch übrigens nicht wasserdicht sondern nur wasserabweisend, schwimmen sollte man damit also besser nicht gehen.

Auswahl

Die Apple Watch soll es in zwei Größen geben, und zwar mit 1,5 oder mit 1,65 Zoll (38 / 42 mm) Bildschirm, der jeweils durch Saphirglas vor dem Zerkratzen geschützt wird. Zur Display-Technologie macht der Hersteller keine Angaben, angesichts der gezeigten Schwarzwerte ist aber davon auszugehen, dass es sich hierbei um einen OLED handelt. Es wird drei Editions der Apple Watch geben, von der normalen Ausgabe aus Edelstahl über die Sportvariante (Aluminium) bis zur Luxus-Ausgabe aus 18K Gold, auch achtzehn unterschiedliche Armbänder wurden angekündigt. Zudem hat Apple mittlerweile betont, dass die Uhr auch für Linkshänder geeignet ist - einfach indem sie gedreht wird. Beim ersten Start soll sich die Orientierung des Interfaces entsprechend auswählen lassen. Verfügbar soll die Apple Watch Anfang 2015 sein, wobei bislang unklar ist, in welchen Regionen sie schlussendlich erhältlich sein wird. Die Preise sollen bei 350 US-Dollar beginnen, so der Hersteller. (apo, derStandard.at, 10.9.2014)

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    Apple-Chef Tim Cook macht es am Dienstagabend offiziell: Mit der Apple Watch steigt das Unternehmen in das Wearables-Geschäft ein.

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    Die Uhr soll es in mehreren Ausführungen mit vielen unterschiedlichen Bändern geben.

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    Auf der Rückseite sind Sensoren angebracht, auch die "Digital Crown" - also das Rädchen an der Seite - ist hier gut zu sehen.

  • Apple hofft eine reichhaltiges App-Ökosystem für seine Watch etablieren zu können.
    grafik: apple

    Apple hofft eine reichhaltiges App-Ökosystem für seine Watch etablieren zu können.

  • Selbst hat man bereits eine ganze Reihe von Programmen im Angebot, darunter einige aus dem Bereich Gesundheit / Fitness.
    grafik: apple

    Selbst hat man bereits eine ganze Reihe von Programmen im Angebot, darunter einige aus dem Bereich Gesundheit / Fitness.

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