Wifo: Sanktionen gefährden 11.000 Jobs 

9. September 2014, 17:25
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Regierung und Sozialpartner besprechen Maßnahmen gegen wirtschaftliche Folgen

Wien - Die am Montag verkündete Kurzarbeit beim Lkw-Konstrukteur MAN in Steyr wird die Aufmerksamkeit sicher steigern: Die Spitzen der Regierung und Sozialpartner treffen sich heute Mittwoch, um über Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen zu sprechen. Diese würden zu einem volkswirtschaftlichen Schaden von 775 Millionen Euro führen, was der Gefährdung von 11.000 Jobs entspreche, erklärt Wifo-Experte Oliver Fritz. Zusätzliches Geld gibt es dafür nicht macht Finanzminister Hans Jörg Schelling im Ö1-Morgenjournal klar und verweist auf den ohnedies bevorstehenden Reformprozess, in dem auch über die Senkung der Lohnnebenkosten nachgedacht werde.

Angenommen habe man, dass die Russlandexporte um ein Fünftel zurückgehen. Nicht eingerechnet seien indirekte Auswirkungen des Embargos auf Zulieferungen beispielsweise via Deutschland für den Export nach Russland bestimmter Waren. Auch die Konsequenzen an den Finanzmärkten und für den österreichischen Tourismus habe man nicht analysiert. Dennoch ist Fritz überzeugt, dass der volkswirtschaftliche Effekt der Ukraine-Krise "im Promillebereich" liege. Bei einem Ausfuhrvolumen von 3,3 Milliarden Euro sind die chemische Industrie und der Maschinenbau die größten Exporteure. Dahinter rangieren Fahrzeugbau und Nahrungsmittelindustrie.

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Trotz der überschaubaren Auswirkungen des Embargos kommen die negativen Effekte zur Unzeit. In den vergangenen Wochen und Monaten hat sich die Konjunktur merklich abgekühlt, weshalb die Rufe nach Gegenmaßnahmen lauter werden. Verbesserungen bei der Lehrlingsausbildung, die wieder stärker von Betrieben anstatt überbetrieblichen Werkstätten durchgeführt werden soll, erwartet sich beispielsweise der Bundeskanzler. Die Wirtschaft erachtet eine großzügigere Vergabe von Haftungen als zielführend. Die EU soll überdies wie schon 2008/2009 ihre Regeln für Beihilfen lockern, fordert Kammerchef Christoph Leitl. Weiters thematisiert er die Gründung von Arbeitsstiftungen und Kurzarbeitsmodellen.

Bei Letzteren sieht Arbeitsmarktservice-Vorstand Johannes Kopf nicht viel Potenzial. Kurzarbeit sei eher im Falle eines temporären Wirtschaftseinbruchs geeignet und nicht - wie derzeit - für eine anhaltende Schwäche. Zur Abfederung befristeter Produktionsausfälle, die direkt mit den Sanktionen zusammenhängen, sei die Maßnahme aber hilfreich. Die Regelungen für Kurzarbeit sind nach wie vor in Kraft, Arbeitgeber und AMS teilen sich die Kosten, der Mitarbeiter verliert zehn Prozent des Verdienstes.

Viel wird davon abhängen, ob die Sanktionen weiter verschärft werden, meint Wirtschaftsforscher Fritz. Montagabend hat sich die EU auf eine Ausweitung der Maßnahmen geeinigt, die allerdings noch nicht in Kraft getreten sind. Betroffen sind Exporte von Hightech- und Rüstungsgütern sowie Öltechnikausrüstung. Auch der Zugang von Staatsbanken zum EU-Kapitalmarkt wird erschwert. Konten von 95 Personen werden gesperrt. (as, DER STANDARD, 9.9.2014)

  • Äpfel aus der EU sind in Russland nicht erwünscht.
    foto: reuters

    Äpfel aus der EU sind in Russland nicht erwünscht.

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