Strukturelles Versanden

Infografik9. September 2014, 15:41
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Das Passnetzwerk der österreichischen Nationalmannschaft im Spiel gegen Schweden dokumentiert die Stabilität im Spielaufbau ebenso wie gewisse Stagnationstendenzen in der Offensive

Entsprechend dicht gestalteten sich die Beziehungen vor allem zwischen der Viererkette mit Christian Fuchs, Martin Hinteregger, Aleksandar Dragovic sowie Florian Klein und dem zentralen Mittelfeld mit David Alaba und Julian Baumgartlinger. Hier entwickelte sich über weite Strecken eine Art hexagonale Rotation.

Abgesehen von einer für das österreichische Spiel mittlerweile typischen Flügelasymmetrie verrät die Gesamtstruktur des Teams eine stetig gewachsene Robustheit. Diese besteht aus oftmals reziproken Drei- bzw. Vierecken, auf denen spezifische Muster in der Spielgestaltung gründen. Für die vertikalen Impulse aus dem Zentrum in die Spitze zeichnete neben Alaba vor allem Zlatko Junuzovic verantwortlich, der immer stärker in die Rolle des geschwindigkeitsforcierenden Schnittstellenspielers hineinwächst und zudem in Christoph Leitgeb einen ebenbürtigen Ersatz hat.

Durch die wuchtige Präsenz von Baumgartlinger sowie den beiden um präzises Aufbauspiel bemühten Innenverteidigern Dragovic und Hinteregger entwickelte Österreich vor allem in der ersten Hälfte ein spielerisches Übergewicht, dem Schweden nur in der spielerischen Agilität des linken Flügelstürmers Erkan Zengin nadelstichartig begegnen konnte.

Trotz der Dominanz gelang es dem Team von Trainer Marcel Koller nicht, jene überfallsartige Vertikalität herzustellen, die im Vorjahr noch zu einem Heimsieg gegen die Schweden geführt hatte. Marc Jankos Isolation im Angriffszentrum steht sinnbildlich für das strukturelle Versanden der österreichischen Angriffe am gegnerischen Strafraum und das wiederholte Verheddern in der tausendfüßlerischen schwedischen Defensive. (Helmut Neundlinger, Umsetzung für derStandard.at: Florian Gossy, Markus Hametner, 9.9.2014)

Die Analytiker

FASresearch war bei den WM-Endrunden 2006, 2010 und 2014 sowie bei der EM 2008 und der EM 2012 im Einsatz und analysiert auch Österreichs Länderspiele exklusiv für den Standard. Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair, Wolfgang Streibl und Agnes Chorherr.

Der Ansatz

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

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