"Die Sims 4"-Kritiken: Die schöne neue Welt ist noch zu klein

10. September 2014, 12:55
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EA schafft ein Fundament für die nächste Generation, liefert für Fans aber wenige Inhalte

Die "Sims"-Reihe, lange von der Spielepresse stiefmütterlich behandelt, gehört zu den erfolgreichsten Games-Serien der Welt. Fünf Jahre lang beschäftigte der dritte Teil nebst elf offizieller Erweiterungen die Spielerschaft. Nun ist zum Sommerausklang "Die Sims 4" für Windows erschienen und soll Fans und Neulinge mit seinem virtuellen Alltag begeistern.

Doch die ersten Reaktionen fallen nur vorsichtig positiv aus. Die Tester sind sich dabei in den Hauptkritikpunkten einig.

Weil die Serie kein festes Spielziel kennt, verfolgen Spieler in "Die Sims" die unterschiedlichsten Projekte: von der Pflege einer immer größer werdenden Familie über mehrere Generationen bis hin zu monumentalen Bauprojekten.

Neue Grafik

Aufgefrischt hat EA für Teil 4 die Grafik. Dabei wurde auch eine Stiländerung vollzogen, die zum Teil mit einer anderen technischen Neuerung erklärt wird. Die Charaktere erinnern nun stärker an Disney-Figuren, was ihnen erlauben soll, Emotionen besser darzustellen. Kimberley Wallace zeigt sich bei Game Informer vom neuen Look-and-Feel des Spiels überzeugt.

Vereinfacht wurde auch die Charaktererstellung. Die KI-Menschlein können nicht nur äußerlich nach Wunsch angepasst werden, sondern verfügen auch über ein Lebensziel und bis zu drei einzigartige Merkmale.

Launische Menschlein

Das Emotionssystem hat verschiedene Auswirkungen. Ein glücklicher Sim ist besser im Socializing, ein konzentrierter Sim arbeitet effizienter. Verschiedene Emotionen erlauben mitunter die Ausführung bestimmter Tätigkeiten, wobei manche von Entwickler Maxis wohl als reiner Spaß zu verstehen sind ("Pinkeln wie ein Champion").

Perfekt ist das System allerdings nicht. Einerseits haben die Gefühle auf das Ergebnis von Handlungen selten signifikante Auswirkungen, kritisiert Michael Huber bei Gametrailers. Zudem schwanken die Gefühle im Rahmen von Gesprächen oft zu schnell hin und her, was mitunter an der geistigen Gesundheit der Spielfiguren zweifeln lässt.

Realistischer

Insgesamt verhalten sich die virtuellen Leute nun aber realistischer und finden sich an öffentlichen Orten in Gruppen zum Smalltalk zusammen. Trotzdem neigen sie mitunter zu Aussetzern und seltsamen Verhaltensweisen, was es nötig macht, häufiger direkt in das Tun der Akteure einzugreifen. Als mühsam entpuppt sich zudem die Steuerung der Kamera. Dazu müssen sich Spieler derzeit noch mit allerlei Bugs herumplagen.

Deutlich erleichtert wurden der Bau und die Einrichtung von Gebäuden, in die jeweils kurze, gelungene Tutorials einführen. Die Form von Räumen und die Höhe von Stockwerken lässt sich einfach festlegen, Möbel arrangieren sich bei einer Änderung der Zimmergröße selbständig neu. Verbesserungen gibt es auch bei anderen Menüs.

Belohnungspunkte

Als "verspieltestes" Feature beschreibt Alexander Sliwinski bei Joystiq das Belohnungssystem. Wer seinen Sims hilft, ihre persönlichen Ziele zu erreichen und Wünsche zu realisieren, erhält Punkte, die sich in Tränke investieren lassen. Die magischen Gebräue erzielen verschiedenste Effekte, vom einfachen Energydrink bis hin zum Langzeit-Sattmacher oder gar einer Verjüngung.

13 Karrieren kann ein Spielbewohner verfolgen, sich von einem armen Single zu einer reichen Familie hochzuarbeiten ist jedoch eine Aufgabe, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Ungeduldige Spieler können mit einer einfachen Tastenkombination cheaten und ihr Konto auffüllen – eine Bestrafung scheint das Spiel dafür nicht vorgesehen zu haben.

(Noch) nichts für Serienfans

Das Fazit zu "Die Sims 4" fällt trotzdem gemischt aus. Der Grund: Im Vergleich zum Vorgänger mit seinen zahlreichen Erweiterungen ist die Welt noch leer und bietet nicht ansatzweise so viel zu tun. Mit dem zumindest temporären Verzicht auf Pools, Kleinkinder sowie Schulen und Boutiquen in der Nachbarschaft existieren zusätzliche Beschränkungen. Abseits von Socializing macht es kaum Sinn, die Sims auf Ausflüge außer Haus zu schicken.

Für Neueinsteiger soll der Kauf des bisher zugänglichsten "Sims"-Teils trotzdem eine Überlegung wert sein. Gestandene Fans der Reihe sollten aber noch einige Monate warten. Für sie ist die schöne neue Welt einfach noch zu klein. (gpi, derStandard.at, 10.9.2014)

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  • "Die Sims 4" bringt eine Reihe von Neuerungen mit, aber noch nicht genug Beschäftigung für erfahrene Spieler.
    foto: die sims 4

    "Die Sims 4" bringt eine Reihe von Neuerungen mit, aber noch nicht genug Beschäftigung für erfahrene Spieler.

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