Heinisch-Hosek fordert Ausbau der Ganztagsschulen

9. September 2014, 14:42
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Unterrichtsministerin will ÖVP-Chef Mitterlehner die "gemeinsame Schule" stufenweise antragen

Wien - Nach Veröffentlichung der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" drängt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) auf "mehr Bewegung bei der Vererbung von Bildung." Sie fordert eine Ausbauoffensive bei den verschränkten Ganztagsschulen. Dort könnten soziale Benachteiligungen besser ausgeglichen werden. Die "gemeinsame Schule" werde sie ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner stufenweise antragen, auch wenn sie wisse, dass das für ihn nicht oberste Priorität habe, sagt die Ministerin.

ÖVP will in der Kindergartenphase ansetzen

Für Mitterlehner ist die Frage nach dem Schultyp nicht die entscheidende. Er habe Experten angeheuert und auch in der eigenen Partei die "Denkkultur aufgewirbelt", sagt er, er gehe daran, den "Denkprozess und den Lösungsprozess" zu ändern. Fest stünde aber, dass man schon "in der Kindergartenphase ansetzen muss", sagt Mitterlehner. Auch über die Frage der Autonomie im pädagogischen Bereich will er eingehend diskutieren.

Zu wenig Geld für die Unis

Ein bildungspolitisches Versagen ortet die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) in der Hochschulpolitik. Mit besseren Betreuungsverhältnissen und Ausgaben von zwei Prozent des BIP im tertiären Sektor könne man die Akademikerquote deutlich anheben, sagt die Studierendenvertretung.

Auch Sigrid Maurer, Wissenschaftssprecherin der Grünen, wirft der Regierung vor, zu wenig Geld für die Universitäten auszugeben: "Das Zwei-Prozent-Ziel ist im Arbeitsprogramm der aktuellen Regierung enthalten - dennoch ändert sich an der Finanzierung der Hochschulen viel zu wenig."

ÖVP-Wissenschaftssprecher Karlheinz Töchterle unterstützt die Forderungen nach zusätzlichen Mitteln für Universitäten und Fachhochschulen. Gleichzeitig plädiert er für eine differenzierte Sicht auf die Akademikerquote. Die gute und vielfältige Berufsausbildung sei ebenso von hohem Wert wie die Hochschulbildung.

Mehr Effizienz beim Einsatz finanzieller Mittel

Ein weiterer Punkt, der im OECD-Bericht kritisiert wurde, sind die Kosten für Bildung, die in Österreich über dem OECD-Schnitt liegen. Es sei positiv, dass Österreich viel in die Bildung investiere, sagt SPÖ-Bildungssprecherin Elisabeth Grossmann. "Andererseits braucht es auch mehr Effizienz beim Einsatz der Mittel. Diese müssen zielgerichtet im Klassenzimmer ankommen", sagt Grossmann.

Rosenkranz: Neue Mittelschule "völliger Irrweg"

Für FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz zeige sich anhand der Studienergebnisse klar, "dass dass Schulexperiment Neue Mitteschule und das sozialistische Lieblingsprojekt Gesamtschule ein völliger Irrweg" seien. Rosenkranz fordert "die Beibehaltung und die Verbesserung des differenzierten Schulsystems".

"Parasiten im Fleisch der Leistungsträger"

Das Team Stronach fordert kürzere Ferien und mehr Autonomie für die Schulen. "Schulleiter müssten sich ihre Mitarbeiter selbst aussuchen", sagt Klubchefin Kathrin Nachbaur. Außerdem kritiserte Nachbaur, dass Spenden im Bereich Bildung und Forschung nur bedingt absetzbar sind. Und: Es seien die "sozialistischen Leistungsfeinde" an der Macht, diese seien "die Parasiten im Fleisch der Leistungsträger". (APA, ekk, derStandard.at, 9.9.2014)

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