Kofi Annan und Ex-Staatschefs lobbyieren für liberale Drogengesetze

9. September 2014, 11:52
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Gesundheit und nicht Strafverfolgung müsse im Vordergrund stehen - Chile versorgt Krebs- und Epilepsiepatienten künftig mit kostenlosem Cannabis

Eine Gruppe von Ex-Staatschefs um den früheren UNO-Generalsekretär Kofi Annan hat weltweit eine Liberalisierung der Drogenpolitik gefordert. Im Sinne der Menschlichkeit müsse im Kampf gegen Rauschgift die Gesundheit, nicht die Strafverfolgung im Forderung stehen, heißt es in einem am Dienstag bei den Vereinten Nationen in New York veröffentlichten Appell.

Der juristische Kampf gegen Drogen sei gescheitert. Wichtiger sei es, die gesundheitlichen Folgen zu lindern und die Gewinne der Drogenhändler zu beschneiden.

Verbote ändern Verhalten nicht

"Mehr als acht Prozent der Menschheit tragen jeden Tag an der Bürde eines vermeidbaren Schmerzes", heißt es in dem Aufruf. Schmerzmittel, auch auf Opiaten basierende, könnten dieses Problem lindern. Weil der Kampf gegen Drogen auch diese Schmerzmittel betreffe, müsse die Antirauschgiftpolitik verändert werden. Stattdessen sollten die Regierungen ein von der Weltgesundheitsorganisation zu beaufsichtigendes Programm starten, um solche Medikamente sicher in den Umlauf bringen zu können.

Die Unterzeichner forderten auch, die Nutzung von Drogen nicht länger zu "kriminalisieren". Derartige Verbote würden das Verhalten der Menschen nicht ändern.

Zu den Mitgliedern der Kommission gehören Literatur-Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa und der britische Unternehmer Richard Branson sowie der frühere US-Außenminister George Shultz, der ehemalige EU-Außenbeauftragte Javier Solana und die früheren Staatspräsidenten Ernesto Zedillo aus Mexiko, Fernando Henrique Cardoso aus Brasilien, Jorge Sampaio aus Portugal, George Papandreou aus Griechenland und Ricardo Lagos aus Chile.

Kostenloses Staatscannabis in Chile

Die Regierung um Lagos' Nachfolgerin Michelle Bachelet tat einen ersten Schritt und gab am Montag bekannt, dass in Chile in Zukunft 214 Cannabis-Pflanzen zu medizinischen Zwecken unter staatlicher Obhut angebaut werden.

Die Plantage soll ab April 2015 rund 200 Krebs- und Epilepsiepatienten kostenlos mit Marihuana zur Schmerz- und Symptomlinderung versorgen, wie der Sender Radio Cooperativa berichtete. "Es handelt sich um ein seriöses Projekt, das auf das Wohlergehen der Menschen zielt", erklärte der Gouverneur von Santiago de Chile, Claudio Orrego. (APA/red, derStandard.at, 9.9.2014)

  • Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan fordert die Entkriminalisierung von Drogen.
    foto: epa/martial trezzini

    Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan fordert die Entkriminalisierung von Drogen.

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