Für Österreich war Gewinnen zu schwer, für Schweden Verlieren verboten

Analyse9. September 2014, 14:58
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Wunder blieben aus: Das 1:1 zwischen den ebenbürtigen Teams von Österreich und Schweden in Wien verlief erwartungsgemäß. Die ÖFB-Elf hat ihr Pressing wieder

"Es werden enge Spiele", hat Marcel Koller vor der EM-Qualifikation angekündigt. Sein schwedisches Gegenüber Erik Hamren sah im Spiel gegen Österreich "zwei gleich starke Teams". Zum Auftakt der EM-Quali konnten sich beide Trainer mit dem 1:1 nicht gänzlich unzufrieden zeigen. Auch wenn das ÖFB-Team aufgrund seines höheren Engagements mehr mit dem Ergebnis haderte.

Hamren und Koller hatten auch das Wesen des Spiels vorausgeahnt. Dominante Österreicher und vorsichtige Schweden sorgten in Wien für ein mittelprächtig anzusehendes Spiel, bei dem Verlieren verboten und Siegen zu schwer war.

Österreich riss das Spiel auf den Außenbahnen an sich. Man leitete den schwedischen Aufbau auf die Außenverteidiger ab und presste dann auf den Ballgewinn. Stürmer und Mittelfeld verhinderten schwedische Querpässe, während die Flügelspieler die Verteidiger attackierten und die ÖFB-Außenverteidiger weit aufgerückt den Passweg entlang der Linie zustellten.

Wenn das funktionierte, und das tat es sehr oft, war der schwedische Ballbesitz schneller Geschichte, als das Dreikronenteam Ibrahimovic sagen – geschweige denn suchen – konnte. Zwischen der 20. und 60. Minute war Schweden inexistent. "Wir haben den Ball oft zu früh verloren", beschrieb Hamren diesen Zustand, nicht ohne die Österreicher dafür zu loben.

Die Tücken des Pressings

Für Österreich wurde es kritisch, wenn das Pressing in sich zusammenfiel und doch der Longline-Pass gelang. Das passierte gelegentlich auf der allgemein umkämpfteren rechten Seite. Baumgartlinger musste da im Rückraum gegen die Vorstöße der schwedischen Achter absichern, hatte aber das eine oder andere Mal sichtbare Probleme mit deren Geschwindigkeit.

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Neben den hohen Bällen auf Ibrahimovic, der auf die nachrückenden Flügelspieler weiterleitete, waren dies die einzigen signifikanten Angriffsmuster der offensiv uninspirierten Schweden. Österreichs Innenverteidigung konnte beide Varianten meist gut unterbinden. Hinteregger und Dragovic montierten einen bald frustrierten und ausschlussreifen Ibrahimovic konsequent ab.

Passive Schweden machten dicht

Schwedens defensives 4-5-1 war von Beginn weg klar darauf ausgerichtet, im Zweifelsfall ein Remis aus Wien mitzunehmen. Um zu kontern, waren vor allem die Wege nach vorn für die skandinavischen Flügel zu weit und die ÖFB-Defensive zu aufmerksam.

Wichtiger schien es, dass die Vierer- und Fünferketten wenig Raum im Rücken der Abwehr boten. Dafür nahmen sie sogar in Kauf, dass Österreich bis ins defensive Mittelfeld weitgehend ungestört aufbauen konnte. Alaba und Baumgartlinger durften schalten und walten. Erst wenn der Bayern-Spieler vertikale Vorstöße unternahm, griff die Abwehr der Schweden ab der Mittellinie ein.

Außenverteidiger überzeugen vorn oder hinten

Österreich hatte merkbare Probleme, diesen Riegel zu knacken. Flanken von beiden Seiten blieben gegen die kopfballstarken Innenverteidiger wirkungslos. Links hielt sich Fuchs ohnehin zurück oder er blieb formgemäß hängen. Er war defensiv sicher, offensiv unsichtbar.

Damit war er ziemlich das Gegenteil von Klein, der sich vorn oft einschaltete, dafür hinten gelegentlich Räume zuließ – und zudem zweimal Zengin entscheidenden Platz bot. Beim Gegentor ließ er sich von einem zweiten Gegner irritieren, beim Lattentreffer kurz darauf stand er zu weit von seinem Widersacher entfernt. Kleins offensiver Einsatz war aber wiederum mitverantwortlich dafür, dass Schwedens Flügelspiel gehemmt blieb und Ibrahimovic dadurch nie in gefährlicher Lage zum Ball kam.

Am Ende nahmen beide den Punkt

Links hing das Spiel komplett an Genieblitzen von Arnautovic. Dessen Ideen waren in Form von Steilpässen und Heber auch durchaus vorhanden. Bloß: Technisch gelangen ihm diese Vorlagen an diesem Abend nie mit der nötigen Präzision – vom öffnenden Pass in den Strafraum auf Junuzovic vor dem Elfer abgesehen.

Den Schlusspunkt setzte Jankos vergebene Kopfballchance (54.). Danach ließen die Kräfte vor allem bei Junuzovic sichtbar nach, was für Österreichs Pressing stets das Ende darstellte. Die Mannschaft zog sich als Reaktion zurück.

Marcel Koller reagierte mit der Herausnahme von Junuzovic (Alaba ging auf die Zehnerposition), Janko und dem ebenfalls müden Harnik, um mit Leitgeb, Okotie und Lazaro technisch beschlagene, schnelle Kicker für Gegenstöße zu bringen. Besonders die beiden neuen Angreifer kamen aber nicht mehr wirklich ins Spiel – immerhin beendete ihre drohende Konterkraft aber eine Phase, in der die Schweden ansatzweise gefährlich wurden. (Tom Schaffer, derStandard.at, 9.9.2014)

  • Schwedens tiefstehendes 4-3-3/4-5-1 machte es für Österreichs 4-2-3-1/4-4-2 schwierig, Räume im Rückraum der skandinavischen Abwehr zu finden.
    grafik: ballverliebt.eu/tom schaffer

    Schwedens tiefstehendes 4-3-3/4-5-1 machte es für Österreichs 4-2-3-1/4-4-2 schwierig, Räume im Rückraum der skandinavischen Abwehr zu finden.

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