Abschied von hierarchischen Strukturen

10. September 2014, 11:13
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Unternehmensführung erlebt aktuell einen radikalen Wandel. Der Leadership Report 2015 von Franz Kühmayer setzt sich mit der Verunsicherung auf dem Weg in die Wissensökonomie auseinander und liefert Antworten

Wissensarbeit erfordert ein Umdenken in den Köpfen der Menschen, aber auch den Abschied von streng hierarchischen Strukturen in Unternehmen. Diesen Forderungen wird weitestgehend zugestimmt, doch auch ganz schnell wieder zurück zum Business as usual gewechselt.

Künftig zeichnet sich ein guter Manager nicht durch seine unfehlbare Position an der Spitze aus, sondern durch seine Rolle als Gestalter und Veränderer aus der Mitte des Unternehmens heraus, zu dieser Überzeugung kommt Franz Kühmayer im aktuellen Leadership Report des Zukunftsinstituts.

Die ersten Aufnahmen des neuen Apple-Hauptquartiers in Kalifornien sorgten für weltweite Aufmerksamkeit. Obwohl nur eine Baustelle zu sehen ist, gilt dieses futuristische Projekt als Manifestation der schönen neuen Arbeitswelt. Kühmayer sieht diese glitzernden Traumbüros von Google, Apple und Co. kritisch: "Wie unter dem Brennglas lässt sich hier studieren, zu welchen Mitteln Unternehmen greifen, um Mitarbeiter anzuziehen, zu halten und zu Höchstleistungen zu treiben.”

Quelle der Inspiration

Doch die durchdesignten Bürolandschaften können lediglich als Inspirationsquellen dienen. Architektur alleine mache noch kein Büro der Zukunft aus. Viel wichtiger sei die Führungskultur. Und zu den Kompetenzen einer Führungsperson zähle auch, Orte der Arbeit in gestaltbare und zelebrierte Kultstätten zu verwandeln. Das sei jedoch nur möglich, wenn Unternehmenskultur und Architektur zueinander passen, so Kühmayer.

Die Schlüsselkompetenzen für den Leader der Zukunft skizziert Kühmayer so: "Wer sich selbst nicht führen kann, sollte auch andere nicht führen dürfen. Das Zeitalter der 'Office-Egomaniacs' ist vorbei. Die Führungskraft der Zukunft ist der Knoten im Beziehungsnetzwerk mit den meisten Verbindungen, steht aber zugleich nicht mehr zwingend im Mittelpunkt."

Leadership habe folglich nichts mehr mit Hierarchien zu tun; das Arbeiten in Projekten erfordere die Übernahme von Verantwortung durch unterschiedliche Mitarbeiter. Ein tiefgreifendes Vertrauen in Mitarbeiter und Kollegen bietee eine fruchtbare Basis, um über Ergebnisse zu führen (genannt ROWE: Results Orientated Work Environments), statt Anwesenheitszeiten zu messen.

Abschied von der Work-Life-Balance

Arbeit und Freizeit seien keine getrennte Phasen mehr – auch wenn die Forderungen nach Work-Life-Balance diese Grundannahme implementieren, so Kühmayer. Erst wenn die Denkgrenzen im Kopf überwunden werden, sei die Vereinbarkeit von Job und Privatleben möglich. Als Bleisure – der Verschmelzung von Business und Leisure – beschreibt Kühmayer diese Auflösung. Sie solle aber nicht als Forderung nach permanentem Arbeiten verstanden werden, sondern sei ein Weckruf für mehr Aufmerksamkeit im Umgang mit den eigenen Energien.

Es liege bei den Führungskräften Grenzen zu ziehen und diese auch vorzuleben. Indem sie selbst nicht permanent verfügbar sind, zeigen sie ihren Mitarbeitern, was sie von ihnen erwarten. Bleisure setze den reflektierten und sensiblen Umgang mit den Freiheiten der neuen Arbeitswelt voraus und führe schlussendlich zu einer selbstgewählten Form und so zu mehr Lebensqualität. (red)

Franz Kühmayers Leadership Report 2015

120 Seiten, ISBN: 978-3-938284-87-2, 150.00 € zzgl. 7 % MwSt.

www.zukunftsinstitut.de/leadership

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