Nach drei Monaten: Preissturz bei Amazons Fire Phone

9. September 2014, 11:31
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Bisher offenbar ein Flop - aber kein Grund zur Sorge für den Konzern

Im Juni stellte Online-Handelsriese Amazon sein erstes und lange erwartetes Smartphone vor. Mehrere Kameras auf der Vorderseite in Verbindung mit perspektivischen Effekten für Oberfläche und Apps, die Erkennung von Medieninhalten und Produkten und Amazons eigene Dienstleistungen auf Basis des Android-basierten FireOS sollten die Kundschaft überzeugen.

Doch der Hype blieb aus. Das Gerät erhielt großteils positive, aber längst nicht überschwängliche Rezensionen und Amazon musste sich Kritik ob es hoch gewählten Preispunktes gefallen lassen. 200 Dollar kostete das Firephone im Verbund mit einem Vertrag bei AT&T, und lag damit en par mit dem iPhone 5S. Ohne Vertrag spielte das Gerät ebenfalls in der preislichen Oberklasse.

Scheitern mit Anlauf

Die Prognose, dass sich das Smartphone mit dieser Strategie nicht zum Kassenschlager entwickeln wird, dürfte bislang zutreffen, denn nun – rund drei Monate nach der Vorstellung – hat Amazon den Preis deutlich gesenkt. Statt 199 Dollar müssen Vertragskunden bei AT&T nun nur noch 99 Cent berappen, berichtet die New York Times. Nach wie vor enthalten ist ein einjähriges Gratisabo für Amazon Prime.

Rückkehr zum Fire-Prinzip

Damit spielt der Konzern nun wieder näher an seinem klassischen Konzept, das er etwa mit den Fire-Tablets verfolgt. Diese verkauft man mit sehr geringer Marge, da man sie als Eintrittskarte in die eigene Produkt- und Medienwelt versteht. Über den eigenen Shop für Apps, Musik, Filme, Serien und Bücher soll schließlich Mehrertrag erwirtschaftet werden.

Zahlen

Die Web-Analysefirma Chitika liefert konkrete Zahlen zum bisherigen Misserfolg des Amazon-Phones. Nach 20 Tagen Verfügbarkeit hatte das Gerät einen Anteil von lediglich 0,02 Prozent am nordamerikanischen Smartphone-Traffic und konnte diesen Wert bislang nicht übertreffen. Das Galaxy S5 generierte alleine über AT&T nach dem gleichen Zeitraum das siebzehnfache dieses Wertes. Auch in Amazons eigenen Verkaufscharts rangiert das Handy fernab der Spitzenplätze.

Laut Jan Dawson von Jackdaw Research schlug sich das Telefon bislang sogar schlechter als angenommen. Es sei von Anfang an für absolte Amazon-Enthusiasten gemacht worden, meint er, doch von diesen gäbe es offenbar gar nicht so viele.

Nur ein erster Schritt

Ungeachtet dessen hat Amazon kürzlich die Verfügbarkeit auf Großbritannien und Deutschland ausgeweitet. Experten gehen davon aus, dass Amazon der bisherige Misserfolg keine Sorgen macht. Der Konzern betrachte das Firephone wohl nur als ersten Schritt und habe genug Geld, um den einen oder anderen Flop zu verkraften. Das Thema Smartphones sei für Amazon wohl noch längst nicht abgeschlossen. (red, derStandard.at, 9.9.2014)

  • Bislang ein Ladenhüter: Amazons Fire Phone.
    foto: apa

    Bislang ein Ladenhüter: Amazons Fire Phone.

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