ÖFB-Team startet mit Pünktchen in die Quali

8. September 2014, 23:07
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Österreich geht durch David Alaba vom Elferpunkt früh mit 1:0 in Führung, muss aber fast postwendend den Ausgleich hinnehmen. Team von Marcel Koller drückt auf den Sieg, aber bringt den Ball nicht unter

Wien – Als es vorbei war, winkten die Spieler der österreichischen Nationalmannschaft ins riesige Oval. So richtig glücklich sahen sie dabei nicht aus, den Applaus hatten sie trotzdem verdient. Die EM-Qualifikation wurde mit einem 1:1 gegen Schweden gestartet. Ein Sieg wäre durchaus möglich gewesen. Aber der Konjunktiv ist gerade im Fußball keine Wirklichkeit. „Sehr schade“, sagte David Alaba. „Wir haben über weite Strecken das Spiel dominiert.“ Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimovic sagte: „Wir sind nicht glücklich, aber mit dem Punkt zufrieden.“

Marcel Koller ist sozusagen eine treue Seele. Er experimentiert maximal im Training, der Schweizer setzt auf Bewährtes. Es ist nahezu unmöglich, den Kredit, sofern man einen hat, zu verspielen. Die Raten müssen halt verlässlich zurückgezahlt werden. Marc Janko hätte auch statt aus Australien vom Mond anfliegen können.

Aufstellen

Die Aufstellung war frei von Überraschungen, das Tor hütete Robert Almer, der seine Karriere zum großen Teil als Reservist verbringt. Momentan hält er nicht in Hannover. Die Innenverteidigung bildeten Aleksandar Dragovic und Martin Hinteregger. Neben Topstar Alaba wurde Julian Baumgartlinger ins defensive Mittelfeld gestellt, der Mainz-Legionär ist eine Laufmaschine, in der Defensive erprobter als Christoph Leitgeb.

Die linke Seite war die Heimat von Kapitän Christian Fuchs und Marko Arnautovic. Arnautovic hatte angekündigt, sich im Falle des EM-Titels das Bild des Pokals auf die Stirn tätowieren zu lassen. Frau Arnautovic hofft angeblich auf eine heroische Finalniederlage 2016 in Paris. Rechts werkten die beiden Stuttgarter Florian Klein und Martin Harnik, Zlatko Junuzovic war eine Art Freigeist hinter Janko.

Österreicher und Schweden kennen einander bestens, in der WM-Qualifikation gewann jeweils die Heimmannschaft mit 2:1. Nach Brasilien schafften es beide nicht, die Skandinavier waren eine bisserl näher dran. Ihr Teamchef Erik Hamren favorisierte diesmal die Österreicher. „Aufgrund des Heimvorteils.“

Alaba staubtrocken

Der war nicht zu leugnen. 48.500 Menschen füllten das Happel-Stadion, die Stimmung war fast schon ausschweifend. Die Lieblingslieder der Nation (Radetzkymarsch, I am from Austria, Donauwalzer, Bundeshymne) wurden intoniert, Bundespräsident Heinz Fischer war da. Natürlich galt das allgemeine Interesse auch Ibrahimovic, dem Heiligtum der Schweden, der sein 100. Länderspiel bestritt.

Der Beginn war leicht fahrig, ein sanftes Abtasten mit Fehlern. Die Ruhe endete in der sechsten Minute. Alaba flankt, Sebastian Larsson rutscht zum Ball, die Arme weit vom Körper gestreckt, berührt er diesen. Der tschechische Schiedsrichter Pavel Kralovec zeigt sofort auf den Elferpunkt. Alaba tritt an, verwandelt staubtrocken, hoch in die Ecke zum 1:0. Es war sein siebenter Treffer im Team.

Die Schweden waren allerdings nur kurz frustriert. 12. Minute: Freistoß, Ibrahimovic gewinnt das Kopfballduell mit der halben österreichischen Abwehr, Erkan Zengin schießt aus der Drehung das spektakuläre 1:1. 15. Minute: Zengin fetzt an die Querlatte. 19. Minute: Ibrahimovic checkt mit dem Ellbogen Alaba, die gelbe Karte wurde ihm erst zwei Minuten später gezeigt, als er Harnik eher nicht gefoult hatte. Für die Attacke an Alaba wäre Rot kein Skandal gewesen.

Weiter in der Prüfung

Die Österreicher nahmen das Heft in die Hand, sie pressten früh, Alaba kurbelte, Harnik, Arnautovic und Janko vergaben richtig gute Chancen. Auch nach der Pause blieb das ÖFB-Team dominant. 69. Minute: Janko geht, Rubin Okotie kommt. Später wurden Junuzovic und Harnik durch Leitgeb und Valentino Lazaro ersetzt. Allerdings schwanden die Kräfte, es passierte nichts mehr.

Koller sieht die EM-Qualifikation als Reifeprüfung. Beim ersten Akt stimmte die Leistung, das Resultat nicht unbedingt. Der Test wird am 9. Oktober in Moldawien fortgesetzt, drei Tage später beehrt Montenegro Wien. (Christian Hackl, DER STANDARD, 09.09.2014)

Fußball-EM-Qualifikation - Gruppe G, 1. Runde:

Österreich - Schweden 1:1 (1:1). Wien, Ernst-Happel-Stadion, 48.500 (ausverkauft), SR Kralovec (CZE)

Torfolge: 1:0 ( 7.) Alaba (Hand-Elfmeter)

1:1 (12.) Zengin

Österreich: Almer - Klein, Dragovic, Hinteregger, Fuchs - Baumgartlinger, Alaba - Harnik (86. Lazaro), Junuzovic (77. Leitgeb), Arnautovic - Janko (69. Okotie)

Schweden: Isaksson - Bengtsson, Granqvist, Antonsson, M. Olsson - S. Larsson, Källström (85. Wernbloom), Ekdal - Durmaz (72. Elmander), Ibrahimovic, Zengin

Gelbe Karten: Klein bzw. Ibrahimovic, S. Larssen, Källström

  • Frühe Führung.
    foto: apa/jäger

    Frühe Führung.

  • Schneller Ausgleich.
    foto: apa/fohringer

    Schneller Ausgleich.

  • Langer Kampf.
    apa/neubauer

    Langer Kampf.

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