Debütiert, routiniert, blamiert 

8. September 2014, 18:40
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Mit einem 0:7 gegen Polen endete Gibraltars Pflichtspieldebüt. Deutschland siegte 2:1 gegen Schottland. Portugal blamierte sich ohne Ronaldo gegen Albanien

Faro/Dortmund/Aveiro - Polen hatte Robert Lewandowski, Gibraltar Feuerwehrmänner, Polizisten, Beamte und Lehrer. Da sich das Duell auf dem Fußballplatz zutrug, war Lewandowski mit den Polen deutlich im Vorteil. Mit 7:0 gewann das Team von Trainer Adam Nawalka das Auswärtsspiel zum Auftakt der EM-Qualifikation gegen das jüngste Mitglied der europäischen Fußballunion. Der Stürmer, seit kurzem beim FC Bayern München unter Vertrag, traf viermal. Ein Auswärtsspiel war es auch für die überwiegend nicht professionellen Kicker aus dem britischen Überseegebiet am Südzipfel der Iberischen Halbinsel. Weil das heimische Victoria-Stadion nicht den Uefa-Standards genügt, werden die Heimspiele im rund 400 Kilometer entfernten Algarve-Stadion im portugiesischen Faro ausgetragen.

Es gab deren noch nicht viele. Gibraltar ist neu auf der Fußballbühne. Zwar existiert der nationale Verband schon seit 1895, aber erst 118 Jahre später wurde die Halbinsel mit knapp 30.000 Einwohnern als Uefa-Mitglied anerkannt. Spanien, das Ansprüche auf das Territorium erhebt, hatte sich lange Zeit erfolgreich quergelegt. Dem ersten Pflichtspiel waren fünf Testpartien vorausgegangen - darunter immerhin ein 0:0 gegen die Slowakei und ein 1:0 gegen Malta. Den Auftritt am Sonntag bezeichnete Trainer Allen Bula als "Riesensache. Wir haben viel gelernt." Wiewohl das Ergebnis wehtat. "Sie haben uns gekreuzigt."

Reus fällt vier Wochen aus

Die Gegner in Gruppe D werden nicht einfacher. Nach den Partien in Irland und gegen Georgien gastiert Gibraltar am 14. November bei Weltmeister Deutschland. Dieser tat sich am Sonntag auch schwer - ein glanzloses 2:1 gegen Schottland in Dortmund. Doppeltorschütze Thomas Müller sei Dank. Zwar war das DFB-Team über weite Strecken überlegen, von einer WM-Euphorie aber kaum etwas zu merken.

"Es war das erwartet enge Kampfspiel. Mit dem Ergebnis kann ich aber sehr gut leben", sagte Müller. Torhüter Manuel Neuer: "Das Wichtigste war, dass wir mit drei Punkten starten. Wie, ist dann auch egal. Wir haben unsere Pflicht erfüllt."

Marco Reus musste in der Nachspielzeit nach einem Foul von Charlie Mulgrew mit einer Knöchelblessur vom Feld. Der Dortmunder hatte schon die WM verletzungsbedingt verpasst, fällt nun vier Wochen aus.

Verpasst hat Cristiano Ronaldo Portugals Quali-Auftakt. Dem angeschlagenen Weltfußballer von Real Madrid entging das Pfeifkonzert der Zuschauer im Municipal-Stadion von Aveiro. Andererseits ein Ronaldo hätte das 0:1 gegen Albanien vielleicht schon verhindern können.

Albanien nutzte die Chance

"Ein völlig ungerechtes und deswegen unnötiges Ergebnis", schimpfte Portugals Trainer Paulo Bento. Ronaldos Ausfall wollte er nicht als Erklärung für den Fehlstart gelten lassen: "Albanien hatte nur eine Chance, aber unser Problem war die Effektivität. Wir hätten auch nach dem 0:1 locker noch einen Punkt oder sogar den Sieg holen können."

Der einzige Treffer war jedenfalls ein sehenswerter. Odise Roshi setzte sich auf der rechten Seite durch, flankte, und Bekim Balaj traf volley in die rechte Ecke (52.). Das Traumtor war zu viel für die uninspiriert auftretenden Portugiesen, die bereits bei der WM in Brasilien enttäuscht hatten und in der Gruppenphase ausgeschieden waren. Nani, Eder und Co fanden gegen die massive Fünferabwehr der Südosteuropäer zu selten ein Durchkommen.

Für das nächste Gruppenspiel am 14. Oktober bei Dänemark, das sich zu einem 2:1 gegen Armenien mühte, setzt Bento auf den Ronaldo-Faktor und denkt deswegen nicht über umfassende Veränderungen nach. "Wir müssen weiter unseren Weg gehen und versuchen, Gruppensieger zu werden. Nur weil das erste Spiel verloren gegangen ist, werden wir nicht alles infrage stellen." Mittelfeldspieler Joao Moutinho sagte: "Wir müssen es künftig besser machen, nun gibt es keine Entschuldigungen mehr." (sid, rie, DER STANDARD, 09.09.2014)

  • Gibraltars Schlussmann Jordan Perez musste bei der Pflichtspielpremiere siebenmal hinter sich greifen.
    foto: reuters/marchante

    Gibraltars Schlussmann Jordan Perez musste bei der Pflichtspielpremiere siebenmal hinter sich greifen.

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