Ein Freistil-Shakespeare, der Herzen verbindet

8. September 2014, 18:00
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Hilde Dalik inszeniert „Romeo & Julia – Freestyle“ mit unbegleiteten minderjährigen Asylwerbern.

Wien – Drei Julias treffen auf ihre drei Romeos und müssen dabei manifeste Vorstellungen ihrer Familien hinter sich lassen. "Gebildet muss er schon sein. Und das mit der Religion sollte auch passen", will eine Julia anfänglich noch dem Publikum unterbreiten. Doch diese Ansprüche werden im Angesicht der Liebe zunehmend irrelevant.

Shakespeares Liebesgeschichte wirkt im Dschungel Wien aktueller denn je. Denn die jugendlichen Darsteller von Romeo und Julia – Freestyle integrieren zudem ihre persönliche Geschichte: Die meisten von ih nen mussten auf eigene Faust aus ihrer Heimat Afghanistan fliehen.

Angeregt durch den Wunsch der Jugendlichen, auf der Bühne zu stehen, entwickelte Josefstadt-Schauspielerin Hilde Dalik eine Inszenierung, die mit professionellen Schauspielern erarbeitet wurde. Neben Michael Ostrowski und Alexander Pschill schlüpft Sophie Aujesky gleich in mehrere Rollen.

Das ständige Brechen von Alt mit Neu, das Ineinandergreifen von berühmter Liebestragödie und persönlicher Erzählung bilden das Grundgerüst der Inszenierung. So wird Jugendslang mit geschwollener Theatersprache verflochten und berühmte Shakespeare-Monologe mit selbstgeschriebenen Gedichten kombiniert. "Die Jugendlichen haben gefunden, dass Romeo und Julia auch eine afghanische Geschichte ist: Man wird verheiratet, muss sich gegen seine Familie stellen", so Ostrowski.

Genau diese Parallelitäten bewirken eine interessante Umkehrung: Nicht mehr der persische Akzent, sondern das betonte Hochdeutsch wirkt befremdlich; das arabische Klagelied hingegen scheint als einzig stimmige Musik für das tragische Ende ideal.

Romeo und Julia werden damit zu zeitlosen, kulturübergreifenden Figuren und wirken "freestyle" gar authentischer als in Versform. Auf der Bühne wird spürbar: unabhängig von Zeit, Alter und Herkunft bleiben die menschlichen Grundthemen die gleichen. (Lina Paulitsch, DER STANDARD, 9.9.2014)

9.9., 20.00; 14./15.10., 10.30 und 19.30

  • Der Kampf verfeindeter Clans kann Romeo und Julia nicht trennen.
    foto: melika ramic

    Der Kampf verfeindeter Clans kann Romeo und Julia nicht trennen.

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