ÖVP sucht das bessere Modell für die Schule 

8. September 2014, 17:32
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"Niemand rüttelt am Gymnasium", sagt ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank, die sich aber auch vorstellen kann, auf das Gymnasium zu verzichten

Wien - In der ÖVP tut man sich mit diesem Zuruf aus Sankt Pölten schwer. "Das Gymnasium muss bleiben", hatte Landeshauptmann Erwin Pröll im Standard-Interview festgelegt. Pröll setzt damit jenen Kurs fest, den der zurückgetretene Parteichef Michael Spindelegger so unbeirrt eingeschlagen hatte - nicht zur Freude aller in der Volkspartei, die das Schulthema gerne für eine breitere Diskussion geöffnet hätten. Der neue Parteichef Reinhold Mitterlehner will sich derzeit noch nicht festlegen lassen. "Wie die Bildungspolitik der ÖVP künftig ausschauen wird, ist derzeit noch offen. Wir holen uns aktuell von einzelnen Experten Meinungen ein, wie man das Bildungssystem verbessern könnte. Die Vorschläge dieses Kompetenzteams werden dann in der Partei diskutiert", sagt Mitterlehner zum Standard.

Die Bildungssprecherin der ÖVP, Brigitte Jank, verweist darauf, dass das Modell der Neuen Mittelschule derzeit evaluiert werde. "Da wurde viel Geld eingesetzt", sagt Jank, "wenn es richtig eingesetzt wird, hat die Neue Mittelschule die Chance, auf das Niveau des Gymnasiums hinaufzukommen oder sogar noch besser zu werden, dann hört sich auch diese Diskussion auf". Jank: "Niemand rüttelt am Gymnasium. Aber wenn es ein besseres Modell gibt, das zu keiner Diskriminierung führt und die Talente aller Schüler fördert, dann sollten wir da offen sein."

Jank will jedenfalls nicht "ewig diskutieren". Man werde jetzt die Vorschläge der Experten einsammeln und diese dann parteiintern diskutieren. Binnen eines Jahres sollte sich die ÖVP dann festgelegt haben, wie sie sich das Schulsystem der Zukunft vorstellt - mit oder ohne Gymnasium.

Falsche Lehrerauswahl

Einer dieser Experten im "Kompetenzteam" der ÖVP ist Andreas Salcher. Zur Diskussion Gesamtschule versus Gymnasium sagt er: "Die Einführung der Gesamtschule in Österreich wäre mit Sicherheit nicht der Zusammenbruch des christlichen Abendlandes, wie das einige befürchten. Genauso ist es eine Illusion, zu glauben, dass die Einführung der Gesamtschule die tatsächlichen, unübersehbaren Probleme unseres Schulsystems wie falsche Lehrerauswahl, unzureichende Lehrerfortbildung und individuelle Begabungsfeindlichkeit lösen würde. All diese Probleme betreffen die AHS genauso wie die Neue Mittelschule. Es wäre naiv, zu glauben, dass sich die Qualität des Unterrichts dramatisch verbessert, nur weil wir die Struktur ändern, ohne eine Kultur der Wertschätzung in den Schulen und Klassenzimmern zu erreichen."

Bildungspartei

Salcher glaubt, dass es in der ÖVP eine breite Mehrheit für eine Bildungsreform gibt. "Das ist auch bei der SPÖ, den Grünen und den Neos so. Der Boden ist also aufbereitet. Ich glaube, dass der Vizekanzler nun stark genug ist, um auch parteiintern klarzumachen, dass eine Reform der Bildungslandschaft oberste Priorität hat." Salcher verweist darauf, dass auch vonseiten der Länder kritisiert wurde, dass keine offensive Bildungspolitik gemacht werde. Mitterlehner werde daher auch aus dieser Richtung Rückenwind bekommen. "Die Probleme liegen in der Umsetzung und im Detail. Hier wird man sehen, ob es bei Ankündigungen bleiben wird oder man wirklich etwas verändern will." Die ÖVP sei jedenfalls gut beraten, sich als Bildungspartei zu positionieren, sagt Salcher. "Wenn sie keine Bildungspartei ist, was ist sie dann?"

In Tirol startete in der Modellregion Zillertal mit diesem Schuljahr die gemeinsame Schule. Das Zillertal sei somit Österreichs erste und einzige Region, in der die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen umgesetzt werde. Tirol wolle zeigen, dass die gemeinsame Schule ein Erfolgsmodell sei, erklärte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). In der gemeinsamen Schule stehe "Kooperation statt Konkurrenz" im Vordergrund, betonte seine Stellvertreterin, die Grüne Ingrid Felipe. (Elisabeth Kleinlercher Michael Völker, DER STANDARD, 9.9.2014)

  • Schule bedeutet nicht immer nur Klassenzimmer: Auch bei einer Exkursion werden wichtige Erfahrungen gesammelt.
    foto: corn

    Schule bedeutet nicht immer nur Klassenzimmer: Auch bei einer Exkursion werden wichtige Erfahrungen gesammelt.

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