"Es gab die klare Absicht zu töten"

8. September 2014, 17:07
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Vier mutmaßliche Islamisten wegen versuchten Bombenanschlags in Bonn vor Gericht

Düsseldorf/Berlin - Am Oberlandesgericht Düsseldorf hat am Montag ein Terrorprozess begonnen, der das Gericht wohl bis zu zwei Jahre beschäftigen wird. Angeklagt sind Marco G. (27), Enea B. (44), Koray D. (25) und Tayfun S. (24). Marco G., ein zum Islam konvertierter Deutscher, soll im Dezember 2012 eine Bombe im Bonner Hauptbahnhof deponiert haben. Und gemeinsam sollen die vier Männer an einem vereitelten Mordkomplott gegen den Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Pro NRW (Nordrhein-Westfalen) beteiligt gewesen sein.

Marco G. droht lebenslange Haft wegen versuchten Mordes, die anderen drei Männer könnten im Falle einer Verurteilung 15 Jahre Gefängnis bekommen. Als die vier Angeklagten am ersten Prozesstag den Gerichtssaal betraten, zeigten sie Siegesposen, zwei von ihnen riefen "Allah ist groß".

Im Falle der Bonner Bombe, die in einer blauen Tasche versteckt war, wird es um sehr viele technische Details gehen, zumal kein Zünder gefunden wurde. Die Ermittler sind sich dennoch sicher: "Es gab die klare Absicht zu töten." Der Sprengsatz Marke Eigenbau sei nur deshalb nicht explodiert, weil er entweder fehlerhaft konstruiert gewesen oder vor der Explosion beschädigt worden sei.

Anwalt spricht von Attrappe

Der Rechtsanwalt von Marco G., Peter Krieger, erklärt hingegen: "Das war eine Bombenattrappe, keine Bombe. Die Behauptung, man sei an einem Blutbad vorbeigeschrammt, ist falsch." Die Angeklagten wollen sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Marco G. und den anderen drei Angeklagten wird zudem vorgeworfen "eine radikalislamistische Gruppierung gegründet zu haben, um Pro-NRW-Chef Markus Beisicht umzubringen. Seine Partei propagiert "Freiheit statt Islam" und zeigte bei Kundgebungen immer wieder die umstrittenen Mohammed-Karikaturen. Doch kurz bevor die Männer Beisichts Haus erreicht hatten, wurden sie von der Polizei gefasst.

Auf dem Flughafen Frankfurt wurden, wie am Montag bekannt wurde, schon am Samstag drei Deutsche unter Terrorverdacht festgenommen. Sie sollen nach ihrer Rückkehr aus Kenia von Beamten des Bundeskriminalamts in Gewahrsam genommen worden sein. Ihnen werde vorgeworfen, Mitglieder der radikalislamischen Shabaab-Miliz zu sein. (bau, DER STANDARD, 9.9.2014)



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