"Da handelst du dir fast ein paar Watsch'n ein"

Interview9. September 2014, 05:29
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Kärnten und Steiermark müssten als "Südregion" eng kooperieren, auch die Vision der Abschaffung von Bundesländern sollte nicht ganz ad acta gelegt werden, sagt ÖVP-Politiker Fritz Grillitsch

STANDARD: Sie schlugen kürzlich vor, das obersteirische Dorf Kärntnerisch Laßnitz solle in die Steiermark eingegliedert werden. Ein Vorschlag, mit dem sie sich bei den Bewohnern wohl fast ein Einreiseverbot eingehandelt haben dürften?

Grillitsch: Es ist ja absurd. Die Kärntnerisch Laßnitzer brauchten nur sechs Minuten zur Bezirkshauptmannschaft ins steirische Murau fahren, brauchen aber eine Stunde nach Kärnten in die zuständige BH in St. Veit. Das wollte ich ansprechen und die Frage aufwerfen, ob es nicht vielleicht gescheiter wäre, den Ort organisatorisch mit Steirisch Laßnitz zusammenzulegen. Aber ich akzeptiere natürlich, dass das viele nicht wollen und es hier um die kärntnerische Identität geht.

STANDARD: Also sie wollen zwischen den Zeilen sagen, dass das "Kärntnerisch" in der Grenzgemeinde eine nicht ganz rationale Angelegenheit ist?

Grillitsch: Man muss zur Kenntnis nehmen, dass das hier eine lang gewachsene Identität ist. Das ist in den Leuten drinnen. Es erinnert mich irgendwie an Versuche, zwei Feuerwehren zusammenzulegen. Das ist fast das Gleiche. Da handelst du dir fast ein paar Watsch'n ein. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.

STANDARD: Wie sind solche kleinen Grenzfragen, wie jene im Dorf Laßnitz oder in der nahegelegenen Gemeinde Dürnstein, die wiederum zu Kärnten will, weil dort ihre Lebensinteressen liegen, lösbar?

Grillitsch: Bei Dürnstein ist es ja so, dass der Ort total nach Kärnten orientiert ist. Kinder gehen in Kärnten in die Schule, das Leben der Dürnsteiner spielt sich in Kärnten ab. Es gab daher den Vorschlag, dass Dürnstein nach Kärnten geht und Kärntnerisch Laßnitz zur Steiermark. Aber dazu bedarf es natürlich auch einer Entscheidung im Parlament. Aber es kann letztlich nicht sein, dass die Landesgrenzen das Maß aller Dinge sind.

STANDARD: Was heißt das weitergedacht?

Grillitsch: Ich denke, man muss in diesen Fragen langsam in größeren regionalen Einheiten denken. Es ist doch sinnlos, weiter Grenze an Grenze mit unterschiedlichen Gesetzen und Verwaltungen zu leben. Warum können wir nicht, hier im Süden Österreichs, die Synergien beider Bundesländer besser nutzen?

STANDARD: Das klingt sehr nach der alten Forderung des ehemaligen steirischen ÖVP-Landesrates Gerhard Hirschmann nach Abschaffung der Bundesländer und Schaffung dreier Großregionen?

Grillitsch: Kärnten und die Steiermark sollten sicher versuchen, als "Südregion" intensiver zusammenzuarbeiten und sich in vielen Verwaltungsebenen und bei den Landesgesetzen, etwa bei den Umwelt-, Natur- oder Jagdgesetzen, besser zu koordinieren. Sie sollten sich auch besser in der Sozial- und Gesundheitspolitik abstimmen. Da gebe es genügend Synergien zu heben. Das heißt ja nicht, dass da irgendwelche Identitäten verlorengehen. Die beiden Landeshauptleute sollten sich einmal an einen Tisch setzen und in aller Ruhe drüber nachdenken. Synergien nutzen wäre ja auch ein dringendes Bundesthema. Ich sage nur: 22 Sozialversicherungsträger. Fünf würden für die verschiedenen Berufsstände reichen.

STANDARD: Und was ist jetzt mit der Vision von drei Großregionen?

Grillitsch: Das, was Gerhard Hirschmann vor mittlerweile 20 Jahren gefordert hat, ist sicher heute aktueller denn je. (Walter Müller, DER STANDARD, 9.9.2014)

Fritz Grillitsch (55) ist seit 2002 ÖVP-Nationalratsabgeordneter, von 2001 bis 2011 war der Steirer Präsident des Bauernbundes. Nächster Teil: Hardegg - ein Grenzort in Niederösterreich will über sich hinauswachsen

  • ÖVP-Politiker Fritz Grillitsch wärmt alte Ideen auf.
    foto: apa/fohringer

    ÖVP-Politiker Fritz Grillitsch wärmt alte Ideen auf.

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