Bei Porto auf Retour-Pakete drohen Onlinehandel und Post Einbußen

8. September 2014, 16:17
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Kreutzer Fischer & Partner: "Die Zielgruppe von Zalando würde kein Rückporto akzeptieren"

An der heiklen Frage, ob bei Online-Bestellungen für zurückgeschickte Pakete künftig ein Retourporto verrechnet wird, scheiden sich die Geister. Die Berater von Kreutzer Fischer und Partner, die mit der österreichischen Post eine Studie über Versand- und Onlineeinkäufe vorgestellt haben, warnen: "Mit dem Retourporto steht der Online-Bekleidungshandel zur Disposition." Auch die Post hätte Einbußen.

Am Wochenende hat sich der Europachef des deutschen Paketversenders Hermes, Hanjo Schneider, gegen das kostenlose Rücksendungen von Online-Einkäufen ausgesprochen. "Ich halte es für falsch, kein Geld für Retouren zu verlangen. Kosten sollten generell dem Verursacher angerechnet werden." Im Versandhandel konzentriere sich die Marktmacht auf wenige Große wie Amazon, Otto Group oder auch Zalando. "Wenn die Unternehmen die Rücksendung kostenfrei anbieten, geben sie die Richtung vor", meint man bei Hermes.

Ablehnung

Andreas Kreutzer, geschäftsführender Gesellschafter von Kreutzer Fischer & Partner, schüttelt darüber den Kopf. "Die Zielgruppe von Zalando würde kein Rückporto akzeptieren", sagte er am Montag vor Journalisten in Wien. "Wenn die das umsetzen, ist ihr Börsengang tot." Er glaube auch nicht dass das komme. Im Mode-Onlinehandel sei Umtausch systemimmanent.

Wenn Kunden Pakete wieder zurückschicken, geht das für die Versandhändler ins Geld. Beim deutschenOnline-Modehändler Zalando liegt die Retour-Quote bei 50 Prozent. Andere Anbieter, etwa im Bereich Medien/Elektrogeräte, schmissen Kunden mit überbordenden Rücksendungen schon raus, weiß man bei Kreutzer Fischer.

Retoursystem wird Thema

Der österreichische Post-Vorstand Peter Umundum meint, dass das Retourporto bei den Versandhändlern ein Thema wird. "Momentan sind die Großen kostenfrei". Die Post selber lässt sich die Abwicklung der Retouren von den Händlern bezahlen, die Höhe gilt aber als Geschäftsgeheimnis. Ein Verlust schaut bei der Post bisher zumindest nicht heraus.

In einer Umfrage unter 1.000 privaten Versand- und Onlinekunden (15 bis 65 Jahre) hat Kreutzer & Partner abgefragt, wie sich ein Retourporto auf das Einkaufsverhalten auswirken würde. Fazit: Nur 16 Prozent würden nichts ändern, 83 Prozent aber würden "vorsichtiger auswählen" oder ganz einfach "weniger oft bestellen". Laut Kreutzer würde das natürlich den Bereich treffen, wo die meisten Retouren anfallen: "Der Bekleidungsmarkt hängt massiv an diesem Porto."

95 Prozent aller Retour-Paketsendungen in Österreich laufen über die österreichische Post. Das sind 9 Millionen Pakete im Jahr, rund 80 Prozent davon sind Bekleidung.

90 Prozent kaufen wenigstens einmal im Halbjahr online

Der Studie von Kreutzer Fischer & Partner zufolge kaufen in der "internet-affinen" Gruppe der 15- bis 30-Jährigen mehr als 90 Prozent zumindest einmal im Halbjahr online ein. Quer über alle Altersgruppen lag die Quote bei knapp 70 Prozent. 41 Prozent der privaten Online-Order sind Kleidung, 31 Prozent Medien (Bücher, CDs, Videos, Software) und 19 Prozent Elektrogeräte und Computerzubehör. Bei Frauen waren zuletzt die Hälfte aller Bestellungen im Internet Kleidung.

Die Post investiert indes weiter in höhere "Erstzustellungsquoten". Dazu baut sie ihren Bestand an 7.300 "Empfangsboxen" in Wohnanlagen weiter aus. Zum Jahresende sollen es 8.000 sein. Mittels Post-App können Pakete vor Zustellung an eine andere Lieferadresse umgeleitet werden. Der "gelbe Zettel" kommt nun auch als e-mail-Nachricht aufs Handy oder Tablet. In mehr als 200 Selbstbedienungszonen (mit Versandbox) können Pakete selber frankiert und eingeworfen werden. Hier sollen es Ende 2014 rund 250 sein. 15 Prozent der Retourpakete werden über Versandboxen abgewickelt. (APA, 08.09.2014)

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