Der Kampf gegen das Rauchen muss ganzheitlich angegangen werden

Userkommentar16. September 2014, 10:23
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Die Gaststätten sind nur ein Anfang

Die neue Gesundheitsministerin Sabine Oberhauser ist Ärztin und hat sich zu Beginn ihrer Amtszeit gleich mit dem politischen Reizthema (auch ihres Vorgängers) in die Medien gebracht. Die Fokussierung auf aktive Raucher in Gaststätten greift wohl ein wenig zu kurz, wenn es ihr um eine nachhaltige Verbesserung der Volksgesundheit geht.

Apokalyptische Ansätze

Dazu einige apokalyptische Ansätze: Im 20. Jahrhundert sind weltweit 100 Millionen Menschen an den direkten Folgen des Rauchens verstorben, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Laut Statistik stirbt circa die Hälfte aller Raucher vorzeitig. In Österreich rauchen derzeit 35 Prozent aller Menschen, das sind circa drei Millionen – sie verrauchen pro Tag etwa geschätzte 30 Millionen Zigaretten, bei einem Stückpreis von 20 Cent zahlen sie täglich ungefähr sechs Millionen Euro, um ihrem vorzeitigen Tod rasch näherzukommen.

Österreich Schlusslicht

Dass Österreich das Schlusslicht auf der Skala der Verhütung des Rauchens einnimmt, ist ein Zustand, für den sich jeder unserer Gesundheitsminister schämen muss. Und dass die österreichische Jugend die OECD-Rangliste der jungen Raucher anführt, lässt Schlimmes für künftige Generationen ahnen.

Erfolgreiche Kampagnen

Es geht auch anders. Das zeigt neben Großbritannien (erster Platz für Prävention in Europa) auch Australien, wo eine seit vielen Jahren konzertant laufende "Nationalkampagne" in den dortigen Landessprachen gegen das Rauchen dazu geführt hat, dass derzeit nur 15 Prozent der Australier noch rauchen. Bis 2018 möchte man weniger als zehn Prozent erreicht haben.

Frau Ministerin, wie viele Jahrzehnte wird es dauern, bis in Österreich eine Generation geboren wird, die zeitlebens nicht rauchen möchte?

Jedenfalls viel länger, als Ihre Verweilzeit in dieser und den folgenden Legislaturperioden dauern wird!

Packen Sie es doch ganzheitlich an, haben Sie als Ärztin doch den Mut, über Ihren Tellerrand im Gasthaus hinauszublicken! Österreich wird es Ihnen danken. (Walter Erich Prager, derStandard.at, 16.9.2014)

Walter Erich Prager ist Bildungswissenschafter und arbeitet bei der Senior Lifestyle Academy.

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