Wiener Findelkind: Mutter des Babys gefunden

9. September 2014, 12:15
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Frau wurde angezeigt - Baby ist wohlauf im Spital

Wien - Beamte des Landeskriminalamtes Wien haben die Mutter eines Säuglings, der am Samstag in Neubau ausgesetzt wurde, ausgeforscht. Die 23 Jahre alte Frau gestand die Aussetzung des Babys. Sie wurde auf freiem Fuß angezeigt, informierte die Wiener Polizei. Beim Jugendamt hat sie sich bis Dienstag noch nicht gemeldet. Die Obsorge bleibt weiter bei der Behörde, sagte Sprecherin Petra Mandl.

In einer ersten Einvernahme gab die junge Frau an, erst sehr spät die Schwangerschaft bemerkt zu haben. So habe sie auch nicht zugenommen. Schließlich habe sie einen Arzt aufgesucht, der ihr mitgeteilt hatte, dass die Geburt bereits in drei Wochen sei, schilderte Polizeisprecher Thomas Keiblinger. Die 23-Jährige war von der Situation offenbar überfordert, erzählte weder ihrem Freund noch der Familie von ihrer Schwangerschaft. "Sie hat auch ganz normal weitergearbeitet", sagte der Sprecher.

Bei Kellerabgang ausgesetzt

In der Nacht auf Samstag brachte die Frau den Säugling in der Wohnung, in der sie gemeinsam mit ihrem Freund lebt, allein zur Welt. Im Polizeiverhör gab sie an, dass sie das Baby ins Krankenhaus bringen wollte. Die Geburt habe sie allerdings körperlich so mitgenommen, dass sie das Mädchen auf dem Weg ins Spital in einer Kurzschlusshandlung bei einem Kellerabgang in einem Haus in der Kaiserstraße abgelegt habe, sagte Keiblinger. Dort wurde der bereits leicht unterkühlte Säugling am Samstagnachmittag von zwei 15-jährigen Mädchen entdeckt. Das erst wenige Stunden alte Kind war in ein graues T-Shirt und eine braune Jacke gewickelt gewesen.

Bereits am nächsten Tag ging die Mutter wieder ganz normal arbeiten, auch gab sie an, die Wohnung allein gereinigt zu haben. Kriminalisten forschten sie am Montag aus und suchten sie gegen 13.30 Uhr an ihrem Arbeitsplatz auf. Die 23-Jährige wurde zur Einvernahme auf eine Polizeiinspektion gebracht, wo sie die Aussetzung gestand. Dafür drohen laut Paragraf 82 im Strafgesetzbuch (StGB) bis zu fünf Jahre Haft.

Kind ist gesund

Das Kind ist jedenfalls wohlauf im Krankenhaus, "es ist gesund", sagte Jugendamtssprecherin Petra Mandl am Montag. Die Sprecherin ging davon aus, dass das Mädchen "nicht mehr allzu lange im Spital bleiben wird". Das Jugendamt hat die Obsorge über das Baby. Die Mutter hatte sich in ihrer Einvernahme vorerst nicht dazu geäußert, ob sie ihr Kind sehen möchte.

Besser aufgehoben gewesen wäre das Neugeborene in einer Babyklappe. Eine solche gibt es in Wien beim Wilhelminenspital. Dort können Neugeborene anonym und straffrei abgegeben werden. Das Jugendamt übernimmt in solchen Fällen die Obsorge für das Kind und bringt es nach der Entlassung aus dem Spital bei Adoptiveltern unter. Im Vorjahr wurde ein Säugling in die Babyklappe gelegt. Seit 2001 wurden in Wien insgesamt 26 Neugeborene im Babynest Glanzing im Wilhelminenspital abgegeben.

Neben der Babyklappe gibt es in Österreich auch die Möglichkeit der anonymen Geburt. Sie wird von Frauen viel häufiger in Anspruch genommen. Laut Mandl kamen 2013 in Wien 19 Säuglinge anonym zur Welt, seit 2001 waren es insgesamt 166, also jährlich rund 13. Die Entbindung erfolgt kostenfrei im Spital, unter Betreuung von Ärzten. Eine Studie der MedUni Wien aus dem Jahr 2012 hat ergeben, dass die Einführung der Möglichkeit der anonymen Entbindung in Österreich im Jahr 2001 zu einer starken Senkung - mehr als Halbierung - der Rate der Kindstötungen geführt hat.

Erst im April hatte in Wien ein Findelkind-Fall für Aufsehen gesorgt. Ein Bub war in Hietzing auf einer Wiese ausgesetzt worden. Das Kind befindet sich seither bei Adoptiveltern, die Adoption ist noch nicht rechtskräftig. Die Mutter hat sich laut Jugendamt bisher nicht gemeldet. (APA, 8.9.2014)

  • Das neugeborene Mädchen war in T-Shirt und Jacke gewickelt.
    foto: apa/lpd wien

    Das neugeborene Mädchen war in T-Shirt und Jacke gewickelt.

  • Entdeckt wurde es bei einem Kellerabgang in einem Haus in der Kaiserstraße.
    foto: apa/lpd wien

    Entdeckt wurde es bei einem Kellerabgang in einem Haus in der Kaiserstraße.

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