Skandalbanker Kerviel aus Gefängnis entlassen

8. September 2014, 10:49
7 Postings

Franzose bekommt elektronische Fußfessel

Paris- Nach rund 150 Tagen in Haft ist der wegen seiner Milliarden-Spekulationen verurteilte französische Skandalbanker Jerome Kerviel aus dem Gefängnis entlassen worden. Kerviel verließ die Haftanstalt in Fleury-Merogis im Süden von Paris am Montagmorgen in Begleitung seines Anwalts.

Ihm sollte umgehend eine elektronische Fußfessel angelegt werden, die Bedingung für die vorzeitige Haftentlassung. "Ich bin superfroh, heute 'rauszukommen", sagte Kerviel zu wartenden Journalisten. "Ich will ein normales Leben führen."

Knappe fünf Milliarden Verlust

Kerviel hatte vor sechs Jahren mit seinen Finanzspekulationen die französische Großbank Societe Generale fast in den Ruin getrieben, er soll seinem Arbeitgeber einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro eingebrockt haben. Er wurde deswegen zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen zwei zur Bewährung ausgesetzt wurden. Seine Haftstrafe trat er Mitte Mai an, nachdem er 2008 bereits 41 Tage in Untersuchungshaft gesessen hatte.

Am Donnerstag gab das Berufungsgericht von Paris einem Antrag von Kerviels Anwalt statt, den 37-Jährigen mit einer elektronischen Fußfessel aus der Haft zu entlassen. Kerviel muss unter der Woche die Nächte in seiner Wohnung verbringen, darf diese aber zwischen 7.00 Uhr und 20.30 Uhr verlassen. Am Wochenende gibt es keine Beschränkungen.

Besser als Zelle

Kerviel wird als Berater in einem Software-Beratungsunternehmen arbeiten. Die Fußfessel wird er voraussichtlich bis Juni 2015 tragen müssen. "Das ist immer noch besser, als in einer neun Quadratmeter großen Zelle eingesperrt zu sein", sagte Kerviel am Montag.

Die juristischen Auseinandersetzungen um Kerviel sind indes noch lange nicht vorbei: Frankreichs Oberster Gerichtshof bestätigte zwar im März die Haftstrafe gegen den Banker, erklärte den gegen ihn verhängten Rekord-Schadenersatz von 4,9 Mrd. Euro aber für ungültig. Der Schadenersatz wird nun vor dem Berufungsgericht von Versailles bei Paris neu verhandelt. Kerviel bestreitet, dass er der Societe Generale mit seinen Finanzspekulationen einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro bescherte.

Der Fall gilt als Symbol für die Auswüchse der Finanzwelt. Kerviel räumte zwar eine Teilschuld ein, stellte sich aber zugleich als Opfer des Systems dar. Unterstützung erhielt er von bekannten Linkspolitikern wie Jean-Luc Melenchon von der Linkspartei und Eva Joly von den Grünen. (APA, 8.9.2014)

  • Artikelbild
    foto: reuters/wojazer
Share if you care.