Karstadt: Kaufhaus-Schließungen teuer

7. September 2014, 14:34
8 Postings

Verdi-Aufseher warnt vor hohen Kosten - Erster Aufsichtsrat unter neuem Eigner Rene Benko - Warten auf Restrukturierungspläne

Essen/Wien - Neuer Investor - alte Ängste: Für die rund 17.000 Karstadt-Mitarbeiter geht es in dieser Woche mal wieder ums Ganze. Zittern und Bangen um den eigenen Job gehört für die Beschäftigten seit Jahren zur traurigen Routine. Auch nach dem Einstieg des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko bleibt das Schicksal der ums Überleben kämpfenden Kaufhausgruppe offen. Am Donnerstag ist Aufsichtsrat.

Es kursieren diverse vage Schließungslisten. Die Schließung zahlreicher Kaufhäuser wird Karstadt nach Einschätzung von Aufsichtsratsmitglied Arno Peukes mehrere hundert Millionen Euro kosten. "10 bis 15 Millionen Euro allein für Sozial- und fortlaufende Immobilienverträge", sagte Peukes dem "Tagesspiegel". Das mache bei 20 bis 30 Häusern, die zur Disposition stehen, mindestens 300 Millionen Euro.

Bis zu 30 Filialen droht Aus

"Dieses Geld steckt man besser in die Erhaltung der Standorte, statt Tausende Arbeitsplätze zu vernichten", sagte Peukes, der als Leiter des Fachbereichs Einzelhandel bei der Gewerkschaft Verdi die Arbeitnehmerseite im Karstadt-Kontrollgremium vertritt. Umfangreiche Filialschließungen werde er deshalb nicht akzeptieren. "Wehrlos werden weder Verdi noch der Betriebsrat einen Kahlschlag hinnehmen."

Im Zuge des neuen Sanierungskonzepts sind nach Informationen der "Bild am Sonntag" bis zu 30 der 83 Warenhausfilialen vom Zusperren bedroht. Diese schrieben nachhaltig rote Zahlen und hätten keine Perspektive mehr, berichtete das Blatt unter Berufung auf Insider.

Wie die "Bild am Sonntag" weiter berichtete, wären von den Schließungen etwa 3.000 bis 4.000 der insgesamt 17.000 Karstadt-Mitarbeiter betroffen. Der neue Karstadt-Aufsichtsrat wolle am Donnerstag erste Details dieser Sanierungspläne vorlegen. Eine endgültige Entscheidung über Schließungen werde es dann allerdings noch nicht geben. Geplant sei, "sozialverträglich mit allen Betroffenen zu verhandeln", sagte ein Insider dem Blatt.

Verdi will Klarheit

Der bisherigen Karstadt-Führung warf der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Peukes, massive Fehler vor. "In den letzten Jahren ist bei Karstadt Missmanagement betrieben worden", sagte der Gewerkschafter. "Die Politik ging an den Bedürfnissen vorbei." Umfangreiche Filialschließungen werde er deshalb nicht akzeptieren. "Wehrlos werden weder Verdi noch der Betriebsrat einen Kahlschlag hinnehmen." Die Signa-Gruppe des österreichischen Investors Benko hatte Karstadt im August vom bisherigen Besitzer Nicolas Berggruen übernommen.

Der neu formierte Aufsichtsrat will am Donnerstag beraten. Benko hat gleich nach der Übernahme der angeschlagenen Warenhauskette Mitte August eine Reihe von Vertrauten in den Aufsichtsrat des Essener Konzerns entsandt. Die frisch bestellten Aufsichtsräte ersetzen Vertreter des Finanzinvestors Nicolas Berggruen, der Benko die mit Verlusten und Umsatzrückgängen kämpfende Kette für den symbolischen Preis von einem Euro überlassen hat. Verdi hatte Benko aufgefordert, rasch Klarheit über seine Pläne mit Karstadt zu schaffen und ein tragfähiges Konzept für die Zukunft der Kette vorzulegen. Karstadt-Aufsichtsratschef Stephan Fanderl hatte die Beschäftigten bereits auf harte Einschnitte eingestimmt und hinter die Überlebensfähigkeit von mehr als 20 Häusern ein Fragezeichen gesetzt. (APA/AFP, 7.9.2014)

Share if you care.