Deutscher BND betreibt Totalüberwachung von Krisenregionen

7. September 2014, 10:35
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In enger Zusammenarbeit mit der NSA - Von E-Mail bis zu Telefongesprächen und GPS-Daten wird alles gespeichert

Die elektronischen Spionageaktivitäten des deutschen Bundesnachrichtendienstes dürften deutlich umfangreicher als bisher angenommen sein, dies berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in seiner aktuellen Ausgabe. So soll am bayerischen Horchposten Bad Aibiling eine Art Totalüberwachung von Krisenregionen stattfinden, heißt es in Berufung auf als geheim eingestufte Papiere der Bundesregierung.

Allumfassende Überwachung

In Ländern wie Afghanistan und Somalia aber auch im Nahen Osten werden demnach praktisch alle Kommunikationsverbindungen angezapft und ausgewertet. Darunter fallen laut dem Bericht sowohl Telefonie und E-Mail als auch die gesamte Internetkommunikation und GPS-Standortinformationen.

Üblicherweise würden diese Rohdaten sieben Tage lange gespeichert, heißt es. In diesem Zeitraum würden die Informationen für die weitere elektronische Auswertung aufbereitet. Da es aber immer wieder zu Übertragungsfehlern komme, habe der BND je nach Land unterschiedliche Pufferzeiten eingerichtet. So würden die Daten etwa in Kabul 14 Tage lang auf den Servern bleiben, in ebenfalls afghanischen Masar-i-Sharif sogar sechs Wochen.

Kooperation mit der NSA

All dies offenbar in enger Zusammenarbeit mit dem US-Geheimdienst NSA. Dieser stelle dabei sogar "15 bis 20 funktional unterschiedliche Systeme". Außerdem würden die US-Amerikaner eigene Suchbegriffe - darunter E-Mail- und IP-Adressen von Zielpersonen - an den BND weiterreichen. Im Gegenzug erhalte die NSA Zugriff auf den aus der Überwachung resultierenden Telekommunikationsverkehr.

Scharfe Kritik an dieser Praxis kommt von Martina Renner, Obfrau der Linken im NSA-Untersuchungsausschuss. Hierbei handle es sich um eine "verfassungswidrige Massenüberwachung im Ausland". (red, derStandard.at, 7.9.2014)

  • Im BND-Horchposten in Bad Aibling sollen die Informationen aus der Totalüberwachung von Krisenregionen zusammenlaufen.
    foto: michaela rehle / reuters

    Im BND-Horchposten in Bad Aibling sollen die Informationen aus der Totalüberwachung von Krisenregionen zusammenlaufen.

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