Unwetter: Mehr als 200 Tote in Pakistan und Indien

7. September 2014, 11:59
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Weitere Opfer durch schwere Monsunregenfälle befürchtet

Neu-Delhi/Islamabad - Bei den heftigsten Monsun-Überschwemmungen in einem halben Jahrhundert sind in Pakistan und Indien rund 250 Menschen ums Leben gekommen. Am Sonntag erreichten die Fluten Srinagar, die Hauptstadt des indischen Teils von Kaschmir. Dort drang das Wasser nach Behördenangaben auch in die Krankenhäuser ein.

Staatsminister Omar Abdullah rief die Menschen auf, sich in Sicherheit zu bringen und nicht in Panik zu geraten. Die meisten Opfer der vergangenen Tage wurden unter einstürzenden Hausdächern begraben, bei Erdrutschen verschüttet oder durch Stromschläge getötet. In Pakistan und Indien rückte die Armee aus, um von den Fluten eingeschlossene Menschen mit Hubschraubern und Booten in Sicherheit zu bringen. "Die Lage ist schlimm, aber die Menschen sollten Ruhe bewahren", sagte Minister Abdullah in Srinagar. "Auch wenn es dauert, wir werden sie erreichen und rausholen."

Doch für viele Bewohner der Region kam jede Hilfe zu spät. Allein 69 Tote und mehr als 230 Verletzte gab es laut Rettungskräften in der dicht besiedelten pakistanischen Provinz Punjab. Aus dem pakistanischen Teil der Himalaya-Region Kaschmir meldete der Katastrophenschutz 48 Tote und 87 Verletzte, die Gesamtzahl der Opfer in Pakistan lag bei knapp 128.

Mehr als 30 Tote bei Busabsturz

In Indien kamen nach Behördenangaben mindestens 116 Menschen ums Leben - davon mehr als 30, als ein Bus mit 63 Insassen in eine Schlucht stürzte. "Die genaue Zahl der Toten und das Ausmaß der Zerstörung der letzten 24 Stunden ist unbekannt", sagte ein Polizeisprecher in Srinagar der indischen Nachrichtenagentur PTI. Denn viele Telefonleitungen waren kollabiert.

Ein AFP-Reporter in Srinagar musste sich in den dritten Stock seines Hauses flüchten, weil auch der zweite überflutet war. Rettungskräfte waren nicht zu sehen. "Wir müssen wohl noch aufs Dach, aber wir haben Angst, dass das Haus einstürzt", sagte er.

In indischen Medien war die Rede von den schwersten Überschwemmungen seit einem halben Jahrhundert. Rund 350 Dörfer im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir seien überflutet, teilte das Innenministerium am späten Samstagabend mit. 11.000 Menschen seien gerettet worden. Viele wichtige Verbindungsstraßen zwischen Kaschmir und dem indischen Flachland wurden gesperrt, Schienenwege zerstört, zahlreiche Brücken von den Fluten davongespült.

In den vergangenen Jahren war Pakistan während der Monsun-Saison immer wieder von tödlichen Überschwemmungen heimgesucht worden. Die folgenschwerste Katastrophe ereignete sich im Jahr 2010: Damals kamen 1.800 Menschen ums Leben, insgesamt wurde die Zahl der Betroffenen auf 21 Millionen beziffert. Kritiker werfen der Regierung vor, nicht genügend für den Hochwasserschutz von Wohngebieten und Ackerland zu tun. (APA, 06.09.2014)

  • Bereits fünf Tage hintereinander regnet es in Strömen, die Pegelstände steigen weiter.
    foto: ap photo/channi anand

    Bereits fünf Tage hintereinander regnet es in Strömen, die Pegelstände steigen weiter.

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