Lohnrunde: Lähmende Steuerreform

Kommentar5. September 2014, 18:00
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Heuer sitzt ein unsichtbarer Mitverhandler am Tisch

Wenn sich die Metaller heuer wieder einmal mit großem Trara in die Lohnverhandlungen stürzen, wird das Säbelrasseln groß sein. Doch neben den traditionellen Argumenten - Arbeitgeber pochen im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit auf Zurückhaltung, Arbeitnehmer mit Blick auf den Konsum auf Kaufkraftstärkung - sitzt heuer ein unsichtbarer Mitverhandler am Tisch. Er heißt Regierung und spielt mit seiner Abgabenhoheit eine wesentliche Rolle in der Tarif-Beziehung. Denn gute Abschlüsse werden abgesehen von der Inflation von Steuern, insbesondere von der kalten Progression, konterkariert.

Nun steht zwar eine Entlastung ganz oben auf der Prioritätenliste der erneuerten alten Regierung. Das Timing spielt den Metallern allerdings nicht in die Hände, wird doch über eine (allfällige) Steuerreform erst im März entschieden, während die Tarifpartner im Herbst abschließen sollten. Das lähmt die Lohnrunde, die ohnehin schon vom Konjunkturabschwung und nachlassender Exportnachfrage überschattet wird. Mit dem bloßen Versprechen einer späteren Entlastung wird sich die Gewerkschaft nicht abspeisen lassen. Ihr stechendes Argument: Fünf Jahre Reallohnverluste sind genug, und die Binnennachfrage könnte eine Belebung gut vertragen.

Die Arbeitgeber sollten sich darauf einstellen - und im Gegenzug herausschlagen, dass die Verteilung der Lohnanpassung stärker auf betriebliche Ebene verlagert wird. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 6.9.2014)

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