Sehbehinderter Taxianwärter stalkte Augenarzt

5. September 2014, 21:25
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44-Jähriger machte Arzt für Führerscheinentzug verantwortlich. Vor Gericht bestritt er die Tat

Salzburg – Weil er ihn für seinen Führerscheinentzug verantwortlich machte, soll ein 44-Jähriger einen Salzburger Augenarzt per SMS bedroht haben. Der Mediziner erhielt von Februar bis Herbst 2013 SMS mit Morddrohungen und nationalsozialistischen Inhalten. Am Freitagnachmittag musste sich der Angeklagte wegen Stalkings und gefährlicher Drohung vor dem Salzburger Landesgericht verantworten. Er bekannte sich nicht schuldig.

Der Salzburger wollte 2011 nach einem Gefängnisaufenthalt – er ist 19-mal vorbestraft – Taxifahrer werden. Er bestand die Prüfung, erhielt aber die Konzession nicht, stattdessen wurde ihm der Führerschein entzogen. Der sehbehinderte Salzburger machte dafür den hochrangigen Arzt verantwortlich. Derzeit sei er auch wegen allfälliger Schadenersatzleistungen mit der Patientenanwaltschaft in Kontakt.

Konnte nicht mehr lesen

Bedroht will er den Mediziner aber nicht haben. Schließlich sei seine Sehkraft Anfang 2013, als die ersten bedrohlichen SMS verschickt wurden, so desolat gewesen, dass er nicht mehr richtig lesen konnte, beteuerte der 44-Jährige vor Richter Philipp Grosser. Laut Handypeilung wurden die Nachrichten in der Nähe der Wohnung des Angeklagten von drei verschiedenen Nummern verschickt.

Der als Zeuge geladene Augenarzt las aus den zahlreichen SMS einige vor. "Du Judensau, du Betrüger, dein Leben und das deiner Verwandtschaft wird bald zu Ende sein. Ein Volk, ein Sieg, ein Führer. Heil Hitler." In einer weiteren SMS stand: "Sie bekommen Post, die tick tick bumm macht wie bei Franz Fuchs." Für ihn seien die Drohungen beunruhigend gewesen, erklärte der Arzt vor Gericht. "Ich hab die SMS jetzt eineinhalb Jahre aufgehoben. Ich bin froh, wenn ich sie löschen kann."

Aufgrund der Drohungen machte der Arzt einen Waffenpass und trug, um sich selbst zu verteidigen, auch eine Waffe bei sich. "Es war blöd, mit der Pistole in der Tasche zur Visite zu gehen", deshalb habe er sie dann wieder weggetan, sagte der Zeuge. Die Klinik stellte ihm auch einige Zeit einen Bodyguard zur Seite.

Bekannt unter Salzburger Ärzten

Mit dem Führerscheinentzug des 44-Jährigen habe er nichts zu tun, versicherte der Augenarzt. Er habe den Angeklagten nie untersucht, ihn noch nie persönlich gesehen, geschweige denn seinen Arztbrief unterschrieben. Der Angeklagte sei aber unter Salzburger Ärzten schon bekannt gewesen. Wenn er wieder einmal anrief, sei darüber gesprochen worden. Der Angeklagte erklärte selbst vor Gericht, er habe lange keine Ruhe gegeben und sei zu verschiedenen Ärzten gegangen. Erst der letzte Augenarzt habe einen grauen Star diagnostiziert, in einem Krankenhaus in Braunau sei er dann operiert worden.

"Wer hätte denn Ihrer Meinung nach sonst diese SMS schreiben können?", fragte der Richter. Sein Bruder oder sein ehemaliger Mitbewohner, vermutete der Mann. Auffällig für Grosser: Bereits 2005 wurde der Angeklagte wegen Drohung per SMS verurteilt und gleichzeitig wegen Verleumdung, da er sagte, es sei ein anderer gewesen. Der Prozess wurde für die Einvernahme weiterer Zeugen vertagt. (ruep, derStandard.at, 05.09.2014)

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