Italiens Ferrari-Zug Italo droht das Aus

5. September 2014, 17:29
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Staatsbahn heizte Wettbewerb an

Die Zukunft des Vorzeigemodells im italienischen Bahnverkehr, NTV (Nuovo Trasporto Viaggiatori), ist keineswegs gesichert. Das Ziel des 2006 von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo gemeinsam mit Tod' s-Luxushersteller Diego Della Valle gegründeten Unternehmens war klar: NTV sollte mit seinem Superschnellzug dem Staatsmonopolisten Ferrovie dello Stato wichtige Marktanteile stibitzen. Die Voraussetzungen dafür waren und sind gegeben.

Denn inzwischen bedient der Ferrari-rote Italo 52 Verbindungen täglich, fährt 13 Städte (darunter Rom, Mailand, Florenz, Turin, Neapel) mit einer Geschwindigkeit von bis zu 300 km/h an, verfügt über ausgezeichnete Dienstleistungen (vom kostenlosen WLAN bis zu mehrsprachigen Schaffnern) und hat im Vorjahr bereits 6,5 Millionen Passagiere befördert.

Hohe Verluste

Trotzdem ist NTV mit knapp 800 Millionen Euro hoch verschuldet und hat in den vergangenen zwei Jahren Verluste von 156 Millionen Euro angesammelt. Die finanziellen Mittel garantieren ein Überleben bis Jahresende. Geplant ist nicht nur eine Umschuldung bei Gläubigerbanken und Lieferanten, sondern auch ein Personalabbau von derzeit rund 1100 auf 800 Beschäftigte.

Die Gründe für das Scheitern des italienischen Vorzeigemodells sind unter anderem, dass die Staatsbahnen mit ihren Superschnellzügen Frecciarossa sofort die Dienstleistungen des Italo kopierten. Mit Sonderangeboten wurde der Wettbewerb angeheizt, zum Nachteil des privaten Unternehmens. Die Staatsbahn förderte die Luxusreisenden zulasten des im Argen liegenden Pendlerverkehrs.

Verhandlungen über Umschuldung

Da erst vor knapp einem Jahr eine Transportregulierungsbehörde eingeführt wurde, hatte die Staatsbahn mit ihrer Tarifpolitik freie Bahn. Zudem wurde dem Italo in manchen Städten (Mailand, Rom) die Ab-und Zufahrt nur auf Nebenbahnhöfen gestattet. 300 Millionen Euro müssen jährlich für den Netzzugang bezahlt werden. Schließlich hat die Regierung Matteo Renzis die staatliche Förderung des Energiepreises gedrosselt.

NTV-Präsident Antonello Perricone will nun mit den Gläubigerbanken (Intesa Sanpaolo, Monte Paschi di Siena) Umschuldungsverhandlungen beginnen. Einige NTV-Großaktionäre seien auch bereit, Kapital zuzuschießen. Voraussetzung sei jedoch ein fairer Wettbewerb, heißt es bei NTV. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 6.9.2014)

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