Europa kassierte beachtliche Friedensdividende

6. September 2014, 15:00
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EU-Europa hat sich durch das Ende des Kalten Krieges hohe Militärausgaben erspart - noch beachtlicher sind die Einsparungen, die Russland erzielt

Der Kalte Krieg war, oberflächlich betrachtet, eine militärische Konfrontation, die auf eine Balance der Kräfte ausgerichtet war - solange keiner gewinnen konnte, würde auch keiner losschlagen, lautete das Kalkül. Weil der "kalte" Krieg keinesfalls "heiß" werden sollte, wurde von beiden Seiten immer weiter gerüstet, um das sogenannte Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten.

Wenn gekämpft wurde, dann auf Nebenschauplätzen - Kolonialkriege, nationale und soziale Revolten in Südamerika, Asien und Afrika sowie die Konfrontationen in Nahost mochten unangenehme Auswirkungen auf Europa und die USA haben, aber entlang des Eisernen Vorhangs blieb es ruhig.

Nachrüsten um abzurüsten

Zu beachtlichen Kosten: In der Sorge um eine große Blockkonfrontation war die Öffentlichkeit im Westen (und die weniger von der Öffentlichkeit abhängige Politik im Einflussbereich der Sowjetunion) bereit, an einem Wettrüsten teilzunehmen. Auch die vor allem in der Bundesrepublik Deutschland zur Massenbewegung gewordenen Proteste gegen den Nato-Doppelbeschluss von 1979 ("Nachrüsten und gleichzeitig über Abrüstung verhandeln") beeinflussten die Aufrüstungspolitik nicht.

Und es hat sich gezeigt, dass die Rüstungspolitik des Westens letztlich erfolgreich war - der Kalte Krieg wurde ökonomisch gewonnen. Die Sowjetmacht brach unter den Kosten ihrer Hochrüstung für die Weltrevolution zusammen. Plötzlich wurde der Slogan "Frieden schaffen mit weniger Waffen" realisierbar. Es gibt heute weltweit weniger Panzer, Militärflugzeuge und Soldaten unter Waffen - auch die Zahl der Reservisten hat sich massiv verringert, in Westeuropa um knapp acht Millionen Mann.

Stärkeres Asien

In der EU wurde also eine beachtliche Friedensdividende lukriert. Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion haben ihre Militärbudgets sogar in absoluten Zahlen reduzieren können (allerdings bei weiterhin beachtlichen Reserven und einer kaum zu überschätzenden Effizienzsteigerung).

Und es haben sich die weltpolitischen Gewichte verlagert: China hat sein Militärbudget und seine Kampfkraft massiv erhöhen können, überhaupt wurde Asien insgesamt stärker - und Europa verliert an Handlungsfähigkeit. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 6.9.2014)

  • Seit der Kalte Krieg zu Ende ist, sind die Militärausgaben in vielen Ländern stark zurückgegangen.
    foto: epa

    Seit der Kalte Krieg zu Ende ist, sind die Militärausgaben in vielen Ländern stark zurückgegangen.

  • Vergleich von Militärausgaben 1989 und heute.
    foto: der standard

    Vergleich von Militärausgaben 1989 und heute.

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