Australisches Uran für Indien: Nukleare Extrawurst

Kommentar5. September 2014, 17:00
14 Postings

Der Atomwaffensperrvertrag erleidet einen großen Schaden

Der Atomwaffensperrvertrag (Non-Proliferation Treaty, NPT) beruht auf einem relativ einfachen Prinzip: Die Unterzeichnerstaaten verzichten auf Atomwaffen und haben dadurch das Recht auf zivile Atomtechnologie. Und die fünf offiziellen Atommächte USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich haben sich zu Verhandlungen zur vollständigen Abrüstung verpflichtet.

So weit, so schlecht, denn das halten sie nicht ein. Aber der NPT wird auch anders ausgehebelt - und nicht nur von Unterzeichnern, die trotzdem die Bombe wollen, wie früher der Irak oder Libyen (Iran ist nicht nachgewiesen). Hier ist wenigstens die Rechtslage eindeutig: Das dürfen sie nicht. Aber darf man mit einem Staat, der den NPT nicht unterschreibt und Atomwaffen hat, auf nuklearem Gebiet kooperieren? Die USA - und nach ihnen immer mehr Staaten, zuletzt der Uranlieferant Australien - sagen Ja.

Die US-Regierung von George W. Bush hat international durchgesetzt, dass Indien außerhalb des NPT nukleare Extrawürste gebraten werden können, was nun etliche Staaten tun. Die Befürworter argumentieren, dass Indien als Teil des Pakts wenigstens seine zivilen Anlagen - welche, entscheidet es selbst - unter die Kontrolle der Atomenergiebehörde IAEA stellt. Ein schwacher Nutzen, wenn man es mit dem Schaden gegenrechnet, den der Atomwaffensperrvertrag erleidet. Wenn das Modell Schule macht, wird er auf dem Misthaufen der Geschichte landen. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 6.9.2014)

Share if you care.