NATO erklärt Cyberattacken zu kollektivem Bündnisfall

5. September 2014, 16:08
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Ob tatsächlich Beistandsfall ausgerufen wird, muss von Fall zu Fall geprüft werden

Newport - Erstmals in ihrer Geschichte hat die NATO die Bedrohung durch Cyberattacken zum Kern ihrer Aufgabe erklärt. Der Gipfel in Wales beschloss, dass künftig die Verteidigung ihres Cyberspace Teil der kollektiven Verteidigung sei, erläuterte ein NATO-Beamter am Freitag.

Dies bedeutet, dass ein Cyberangriff auf einen der Alliierten als Bündnisfall und Angriff auf alle Verbündeten gewertet werden kann. Ob tatsächlich der Beistandsfall nach Artikel 5 des Nordatlantikvertrages ausgerufen wird, muss die NATO im Einzelfall klären. "Es gibt keinen Automatismus", sagte ein Offizieller beim NATO-Gipfel in Wales. Auch die Art und Weise, wie die NATO auf einen Angriff auf die Netzwerke reagiere, sei nicht automatisch vorgegeben.

Nicht vorhersehbar

Verwiesen wurde in diesem Zusammenhang auf die Anschläge vom 11. September 2001. Dies haben zum ersten Mal den Bündnisfall nach Artikel 5 des NATO-Vertrags ausgelöst, der zur kollektiven Verteidigung beim Angriff eines Mitgliedstaates verpflichtet, obwohl dies in dieser Form nicht vorhersehbar gewesen sei, sagte ein Diplomat.

Die NATO anerkenne jedenfalls internationales Recht in diesem Bereich, sei es die Charta der Vereinten Nationen oder humanitäres Völkerrecht, sagte ein Beamter der Allianz. In diesem Bereich will die NATO auch Partnerschaften aufbauen, etwa zur EU, zu den Vereinten Nationen und zu vielen ihrer insgesamt 40 Partnerländer. Auch mit der Netzwerk-Industrie strebe die NATO freiwillige Vereinbarungen an, sagte ein NATO-Beamter.

Simulierte Hackerangriffe

Mit den Partnern sind gemeinsame Trainingseinsätze geplant, die einen großangelegten Hackerangriff simulieren sollen. Der Schwerpunkt liege auf Prävention, Widerstandsfähigkeit und Schutz der Netzwerke. Die Alliierten hätten jedenfalls die Pflicht, im Rahmen ihrer Verteidigungsplanung auch national Investitionen zum Schutz der Netzwerke zu tätigen. Ein Cyberverteidigungskomitee der NATO soll künftig einen einheitlichen Ansatz sicherstellen.

Die Cyberverteidigung ist neben anderen Aufgaben auch Teil eines "Trust Fund" der NATO zur Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen die prorussischen Rebellen. Insgesamt macht die NATO 15 Millionen Euro locker. Gefördert werden über den Fonds auch Projekte zur medizinischen Hilfe für ukrainische Kriegsversehrte. (APA, 5.9.2014)

  • Die Führer der NATO-Staaten beim Gipfel in Newport.
    foto: apa/epa/arrizabalaga

    Die Führer der NATO-Staaten beim Gipfel in Newport.

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