Der Schützenfisch hat noch mehr Zielwasser als gedacht

5. September 2014, 18:13
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Wasserstrahl als Waffe: Entfernung und Wucht des Aufpralls müssen exakt stimmen - die Fische setzen ihre Jagdtechnik daher flexibel ein

Bayreuth - Schützenfische aus der Familie der Toxotidae sind noch geschicktere Jäger als bisher gedacht. Die etwa 20 Zentimeter langen Tiere, die in vielen Brackwassergebieten der Tropen vorkommen, sind für ihre charakteristische Jagdtechnik bekannt. Sie stoßen einen konzentrierten Wasserstrahl aus, mit dem sie ihre Beute - hauptsächlich Insekten - von Blättern oder Zweigen förmlich herunterschießen können. Bis zu zwei Meter reicht ihre Schussweite.

Das erfordert nicht nur Zielgenauigkeit, sondern auch eine genau dosierte Stärke des Strahls. Er muss stark genug sein, dass das getroffene Beutetier von seiner vermeintlich sicheren Unterlage weggeschleudert wird. Aber auch schwach genug, dass es nur ins Wasser fällt und nicht irgendwohin gewirbelt wird, wo es der Fisch nicht mehr erreichen kann.

Schusstechnik näher untersucht

Nun berichten Peggy Gerullis und Stefan Schuster von der Universität Bayreuth im Fachblatt "Current Biology", dass Schützenfische die Eigenschaften des Wasserstrahls gezielt verändern können - was es ihnen ermöglicht, unterschiedlich weit entfernte Beutetiere jeweils mit optimaler Wucht zu treffen.

Die Forscher untersuchten die Schusstechnik genauer, indem sie einige Schützenfische (Toxotes jaculatrix) daran gewöhnten, unter hellem Laborlicht und vom immer gleichen Winkel aus ihre Beute abzuschießen. Die Wissenschafter platzierten Ziele in 20, 40 und 60 Zentimeter Entfernung von der Wasseroberfläche und filmten die Fische beim Schießen.

Die detaillierte Auswertung der Aufnahmen zeigte, dass die Fische den Querschnitt ihrer Mundhöhle in Abhängigkeit von der Entfernung des Ziels veränderten. Sie setzen ihr Maul wie eine flexible Düse ein.

Besser selten schießen, aber dann auch treffen

Dies hat zur Folge, dass sich der Wasserstrahl jeweils erst kurz vor Erreichen des Ziels zu einem Tropfen ballt. Zustande kommt dies dadurch, dass das später ausgestoßene Wasser "aufholt" und sich mit dem zuerst ausgestoßenen Wasser an der Spitze des Strahls vereint - mit dem Ergebnis, dass das Ziel mit ausreichender Wucht getroffen wird.

"Der vorherrschende Eindruck von unserer Feldarbeit in Thailand in den letzten Jahre ist, dass es relativ wenig gibt, auf das es zu schießen lohnt und es wichtig für den Fisch ist, effizient zu sein", sagt Schuster. "Es zahlt sich aus, in der Lage zu sein, Beute in unterschiedlicher Entfernung kraftvoll zu treffen."

Die Anpassungen im Timing, die die Schützenfische dazu vornehmen müssten, seien in etwa vergleichbar mit der Wurftechnik des Menschen, die als einzigartig im Tierreich angesehen werde. Beim Menschen habe die Entwicklung des Werfens zu einer enormen Weiterentwicklung des Gehirns geführt, schreiben die Forscher. Um eine Verdopplung der Trefferquote zu erreichen, sei eine achtfache Zunahme der betreffenden Nervenzellen nötig gewesen, hätten Studien gezeigt. Ob auch beim Schützenfisch eine ähnliche Entwicklung festzustellen ist, müsse untersucht werden. (red/APA, derStandard.at, 3. 9. 2014)

  • Der Fisch, der schneller spuckt als sein Schatten.
    foto: ingo rischawy (schuster lab, universiät bayreuth)

    Der Fisch, der schneller spuckt als sein Schatten.

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