... und der heiligen Kunst

5. September 2014, 17:22
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Barbis Ruder erhielt den Performancepreis H13 des Kunstraums Niederösterreich für ihre Auslegung einer "Wertschöpfungskette"

Wien - Sorgfältig schminkt sie sich, zieht ihr Kleid aus und belegt mit sich das Trottoir vor dem Palais Niederösterreich, den Kopf auf dem Silbertablett, den Körper auf einem rosa Fell. "Sie" ist die Künstlerin Barbis Ruder (30), der am Donnerstag der vom Kunstraum Niederösterreich ausgelobte H13-Performancepreis 2014 verliehen wurde.

Wertschöpfungskette heißt ihre prämierte Arbeit. Sie wurde aus fünf Videos, die Körperinterventionen im öffentlichen Raum zeigen, in eine Liveperformance für insgesamt fünf Darstellerinnen übersetzt. Mit der Gewinnerin waren darin Verena Dürr, Suzie Léger, Constanze Ruder und Ewa Stern zu sehen.

Erst gab es eine Prozession durch die Straßen der Umgebung - eine Art Kreuzweg, auf dem sich die Performerinnen mit grün-blauen Schleifen in den Haaren vor Bankomaten stellten oder knieten und eine Geste vollzogen: Mit der linken Hand wurde kein Kreuz geschlagen, sondern eher eine Form, die dem kleinen griechischen Buchstaben "Phi" ähnelt.

Nach dieser Würdigung der Kapellen von Gott Mammon präsentierte das nun in betörend-unsexy hautfarbene Bodys gekleidete Quintett sein Künstlerinnenfleisch als Ware. Es stattete seine Körper mit Luftballon-Extensionen aus, die zum Platzen gebracht wurden und dabei Puder, Glitter oder Perlen verschossen.

Anschließend versuchten die Frauen, sich mit Hunde-Plastikkrägen über den Köpfen schick anzuziehen: eine Verhundung (wenn man hier an Valie Export denken will) von Models. Mit Tuschefedern kratzten sie Unsichtbares auf eine weiße Ausstellungswand, die am Ende mit Münzen beworfen wurde. Der Verweis darauf, wie die Kunst heute auf den Strich geschickt wird, sitzt.

Mit Zuhälterei hat sich Ruder ja schon in ihren Pimpette-Performances befasst. Und mit schmierigen Onlineplattformen in der Materialschlacht binge dating, die u. a. 2013 im Wuk zu sehen war. Dort zeigt Ruder am 12. und 13. 9. ihre performative Intervention Art Work Out - vermessen. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 6.9.2014)

  • Körperinterventionen im öffentlichen Raum: "1-D-Wechsel" (2014) von Barbis Ruder.
    foto: barbis ruder

    Körperinterventionen im öffentlichen Raum: "1-D-Wechsel" (2014) von Barbis Ruder.

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