Verschwundene Linzer Bilder: Wieder Gutachter befasst

5. September 2014, 15:47
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Vergleichsverhandlungen gescheitert - Erben verlangen 7,2 Millionen Euro für verschwundene Klimt- und Schiele-Werke

Linz - Der Prozess um drei 1951 an die Galerie der Stadt Linz verliehene und nun verschwundene Bilder von Egon Schiele und Gustav Klimt ist am Freitag fortgesetzt worden. Der Gerichtsgutachter wurde beauftragt, sich mit den vorgelegten Privatexpertisen zu befassen. Denn die Schätzungen differieren zwischen 7,2 Mio. und 700.000 Euro - abhängig von der Frage, ob das wertvollste der drei Werke echt ist.

Es geht um die Klimt-Zeichnung "Zwei Liegende", die Gerichtsgutachter Herbert Giese mit 65.650 Euro bewertete, das Aquarell "Junger Mann" (622.500 Euro) und das Schiele-Ölgemälde "Tote Stadt". Letzteres schätzte Giese - die Echtheit vorausgesetzt - auf 6,5 Mio. Euro. Auf diesen Zahlen basiert die Forderung der Erben, die von Linz 7,2 Mio. Euro haben wollen. Allerdings bezweifelten mehrere von der Stadt Linz beigezogene Experten die Echtheit der "Toten Stadt". U.a. die amerikanische Schiele-Kapazität Jane Kallir hält das Bild "zu 95 Prozent" für gefälscht. Ein Fake wäre ihrer Schätzung nach nur rund 500 US-Dollar wert.

Dass Linz für die verschwundenen Bilder zahlen muss, ist bereits rechtskräftig ausjudiziert. Es geht nur mehr um die Summe. Über den Sommer wurden Vergleichsverhandlungen geführt. Ein Angebot der Erben, die Schätzungen Gieses für die "Zwei Liegenden" und den "Jungen Mann" heranzuziehen und sich bei der "Toten Stadt" in der Mitte zu treffen - was zu einem Betrag von 3,9 Mio. Euro führt -, lehnte die Stadt aber ab.

Der von den Erben beigezogene Kunsthistoriker Otmar Rychlik bezeichnete Kallirs Ausführungen am Freitag als "Gefälligkeitsgutachten". Er hält es für gut möglich, dass die ursprüngliche Eigentümerin die Bilder direkt bei Schiele gekauft habe. Er könne sich auch nicht vorstellen, dass man dem Museum damals eine Fälschung untergejubelt habe, denn der Chef des Hauses, Wolfgang Gurlitt, galt aus ausgewiesener Schiele-Experte und Fälschungen des Künstlers sollen relativ einfach zu erkennen sein.

Der Richter beauftragte Giese angesichts der zahlreichen Privatgutachten, zu diesen Stellung zu nehmen - einerseits was die genannten Preise betrifft, vor allem aber auch zur Frage der Echtheit. Dazu war in Gieses ursprünglicher Expertise nichts enthalten. Der Experte will die Aufgabe bis Weihnachten erledigen, danach dürfte es noch einen weiteren Verhandlungstag geben, bevor ein Urteil gefällt wird. Es gilt aber als wahrscheinlich, dass sich die Causa durch die weiteren Instanzen ziehen wird.

Die damalige Eigentümerin Olga Jäger verlieh 1951 insgesamt vier Bilder an die Neue Galerie (heute Lentos). Dafür existiert eine Übergabebestätigung, die Walter Kasten, ab 1947 stellvertretender Leiter und später Direktor, unterzeichnet hat. Im Briefkopf wird der Gründer der Neuen Galerie, Wolfgang Gurlitt, genannt. Als die Erben den Leihschein aus dem Nachlass einlösen wollten, waren die Werke nicht mehr auffindbar. Dafür, dass sich die Bilder in der Sammlung von Gurlitts verstorbenem Verwandten Cornelius befinden könnten, ergaben sich bisher keinerlei Hinweise. (APA, 5.9.2014)

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