Privatsauereien nur auf Polaroid!

Kolumne5. September 2014, 17:10
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Die Folgen des Sex-Super-GAUs in Hollywood

Superschockierende Meldung aus den USA! Ein Hacker hat die iCloud von Apple ruchlos angezapft und von dort gamsige Fotos von über hundert Filmstars entwendet! Dass just Hollywood betroffen ist, jenes für seine Keuschheit und menschliche Zurückhaltung renommierte Künstlergrätzel in Los Angeles, macht die Sache besonders bitter.

Wenn es ganz blöd hergeht, ist die Internationale der Online-Spechtler demnächst haargenau über die Mumu von Jennifer Lawrence und den Gebärvater von Johnny Depp informiert. Kein Wunder, dass sich die Betroffenen seit Wochen schlaflos in den Eiderdaunen wälzen und weder aus noch ein wissen. Gegen diesen Sex-Super-GAU war Nipplegate ein Krippenspiel!

Ein interessanter Aspekt des Skandals: Die Weltöffentlichkeit ist offenbar falschen Vorstellungen vom Freizeitverhalten der Stars aufgesessen. Das sind ja Leute, die die Mittel hätten, sich täglich ein paar Dutzend Straßen in die Nase zu ziehen und eine Orgie nach der anderen zu veranstalten. Was aber machen sie stattdessen? Selfies!

Hier ein Miezekatzen-Selfie, da ein Piephahn-Selfie, und ab und zu ein Schnappschuss in die Kerbe, um nachzusehen, ob das Rosettenlifting auch wirklich so cool geworden ist, wie es der Beauty-Doc versprochen hat. Und dann ab mit dem ganzen Plunder in die Cloud, damit auch die Jungs von der NSA auf ihre Kosten kommen! Die schauen sich nämlich gern einmal zwischendurch ein paar Bilder aus dem Land des vertikalen Lächelns an, um von dieser ewigen Abhörerei auszuspannen. Geheimdienstler sind schließlich auch nur Menschen.

Seltsam auch, dass es sich noch nicht bis Hollywood herumgesprochen hat, dass auf Diskretion bedachte Menschen, die ihre Nacktfotos in die Cloud stellen, dieselben ebenso gut am Times Square in Manhattan affichieren könnten.

Wer auf Nummer sicher gehen will, dem bleibt nur der Griff zu jenem technologischen Hilfsmittel, das dem hausgemachten Porno schon vor Jahrzehnten mächtig auf die Sprünge geholfen hat, weil es fürderhin nicht mehr nötig war, sich bei seinen Privatferkeleien im Fotogeschäft von sabbernden Laboranten zuschauen zu lassen: Wir sprechen natürlich von der Polaroidkamera. Was für eine tolle Kombination: Kopulieren, fotografieren und zu hundert Prozent sicher sein, dass kein Schwein zuschaut. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 6./7.9.2014)

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