Beirat empfiehlt neues Denkmal für Republik 

5. September 2014, 14:08
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Wissenschafter legen zur Neugestaltung des Heldendenkmals im Burgtor Empfehlungen vor

Wien - Der Gedenkort der Republik wird verlegt, das umstrittene Heldendenkmal im Äußeren Burgtor der Wiener Hofburg neugestaltet – diese Empfehlungen hat der zuständige internationale wissenschaftliche Beirat abgegeben.

Das Heldendenkmal – also der Weiheraum, die Krypta und die Ehrenhalle – soll, erklärte die Historikerin und Projektleiterin Heidemarie Uhl am Freitag, zu einem Lern- und Vermittlungsraum werden, in dem aber die „historischen Zeitschichten“ sichtbar bleiben. Dementsprechend wird etwa die Skulptur des Toten Kriegers, unter der 2012 ein Nazi-Huldigungsschreiben des Bildhauers Wilhelm Frass gefunden worden waren, nicht weggebracht. „Es geht um einen Kontextualisierung und darum, die geschichtliche Dimension zu zeigen. Die Bruchlinien der Gedenkkultur sollen sichtbar bleiben“, sagt dazu Dieter Binder, Historiker an der Universität Graz und Mitglied des Beirats.

Gegen sakralen Raum

Der Beirat empfiehlt auch eine räumliche Trennung des offiziellen Gedenkens der Republik – und somit ein neues Denkmal. Platz finden soll es vom Heldenplatz aus betrachtet rechts neben dem Äußeren Burgtor. Ob das an dieser Stelle befindliche Denkmal der Exekutive wegkommt, oder in die Gestaltung integriert wird, ist noch offen. "Wichtig ist die Durchsicht auf die Ringstraße. Das Gedenken soll ins Alltagsleben eingebettet werden und nicht in einem sakralen Raum hinter verschlossenen Türen stattfinden", erklärte Binder. Der Kreis der Personen, denen künftig gedacht werden soll, werde gleichzeitig enger und weiter gezogen, erklärte Jörg Echternkamp von der Universität Halle-Wittenberg und ebenfalls Beirats-Mitglied: Einerseits erinnere man sich an die Toten nach 1945, andererseits würden nun auch erstmals zivile Opfer miteinbezogen.

Wehrmacht gewidmet

Ganz anders beim bestehenden Heldendenkmal: Dieses wurde im Jahr 1934 als Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Krypta, die sich im rechten Flügel des Äußeren Burgtors befindet, zudem den gefallenen österreichischen Soldaten der Deutschen Wehrmacht gewidmet. Im linken Flügel erfolgte 1965 die Einrichtung eines Weiheraums für die Opfer des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus.

Budgetverhandlungen

Derzeit laufen auch noch Gespräche über das Budget. Noch im Herbst sollen die Ausschreibungen (für das Denkmal und die Umgestaltung) folgen. Für Historiker Binder steht aber jetzt schon fest: "Das erste neue Gedenken soll bereits im nächsten Jahr stattfinden, auch wenn das sicher noch nicht den Abschluss der Neugestaltung sein wird.“(pm, APA, derStandard.at)

  • Die Skulptur des Toten Kriegers bleibt: „Es geht um einen Kontextualisierung und darum, die geschichtliche Dimension zu zeigen. Die Bruchlinien der Gedenkkultur sollen sichtbar bleiben“, sagt Historiker Dieter Binder.
    foto: cremer

    Die Skulptur des Toten Kriegers bleibt: „Es geht um einen Kontextualisierung und darum, die geschichtliche Dimension zu zeigen. Die Bruchlinien der Gedenkkultur sollen sichtbar bleiben“, sagt Historiker Dieter Binder.

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