Heimische Landwirtschaft steuert China an

5. September 2014, 12:58
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Österreich sucht Ersatzmärkte für Russland, in Brüssel erfolgt eine Bestandsaufnahme für Europas Landwirte

Brüssel - Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) rechnet mit einem "kurzfristigen Wegbrechen des russischen Marktes". Vor einem Sondergipfel der EU-Agrarminister am Freitag in Brüssel sagteRupprechter gleichzeitig, "ich gehe davon aus, dass wir das mit einer gezielten Exportoffensive in den nächsten beiden Jahren wettmachen können".

Derzeit seien von 240 Millionen Euro Lieferungen von Nahrungsmittelprodukten nach Russland 100 Millionen an Schaden durch den russischen Importstopp entstanden. Dies betreffe die von Moskau angeführte Liste mit Obst, Gemüse, Milch oder Fleisch. "Es ist durchaus denkbar, dass diese Liste noch erweitert wird, was wir nicht hoffen, aber befürchten."

Jedenfalls werde es eine erste Exportoffensive Österreichs in China am 20. Oktober geben. Beim EU-Sonderrat selbst werde es heute keine formellen Beschlüsse, sondern eine Bestandsaufnahme des für die europäischen Landwirte eingetretenen Schadens gehen. Insgesamt werde die EU ihre Krisenreserve von 400 Millionen Euro für das heurige Jahr "schon weitestgehend ausreizen müssen", um zu helfen.

In Österreich sei es darum gegangen, mit der Einrichtung einer Taskforce den Schaden schnellstmöglich zu überprüfen und von der heimischen Landwirtschaft abzuwenden. Er habe als erster EU-Agrarminister einen Sondergipfel von Ratspräsident Herman Van Rompuy gefordert. Nun gehe es darum, alle Optionen zu überprüfen, die es gebe.

Druck auf Erzeugerpreise

Gemessen am österreichischen Gesamtexport von 10 Milliarden Euro nach Russland seien die 240 Millionen nicht einmal drei Prozent. Allerdings gebe es einen entsprechenden Druck auf die Erzeugerpreise in dem Bereich. Die Krisenreserve von 400 Mio. Euro jährlich für die nächsten sieben Jahre - also 2,8 Mrd. Euro - könne man notfalls auch vorziehen. Damit stünde mehr Geld zur Verfügung. Darüber hinaus gebe es von EU-Seite 60 Millionen Euro für die Eroberung neuer Absatzmärkte, von denen Österreich 1,2 Millionen Euro erhalten könne.

Von der Exportoffensive werde neben China auch Japan, Korea sowie der Nahe Osten bis Nordafrika angepeilt. Das Wegbrechen des russischen Marktes "können wir durch neue Drittlandmärkte aufholen", gab sich Rupprechter optimistisch.

Insgesamt "gibt es eine schwierige Situation. Aber wir sind noch nicht so weit, von einer Krise zu sprechen. Es geht darum, alle Optionen auszureizen und zu nutzen, um eine Marktkrise abzuwehren". Im laufenden Jahr dürfte der Schaden durch die russischen Importverbote bei rund 40 Millionen Euro liegen. Die Rückholaktion für bereits versandte Lebensmittel belaufe sich auf 4,5 Millionen Euro.

Besonders betroffen sei der Markt mit verderblichem Obst und Gemüse. Dort gebe es einen verstärkten Marktdruck, "weil hier versucht wird, mit Verbilligungen den Markt zu erobern. Wir müssen hier versuchen, den Binnenmarkt stabil zu halten". Eine der Optionen werden auch Direktzahlungen an Landwirte zur Einkommensstabilisierung sein. Allerdings gebe es derzeit noch keine massiven Preiseinbrüche. (APA, 5.9.2014)

  • Österreichs Lieferungen nach Russland sind überschaubar, betroffen ist aber der Markt mit verderblichem Obst und Gemüse.
    foto: ap/christian

    Österreichs Lieferungen nach Russland sind überschaubar, betroffen ist aber der Markt mit verderblichem Obst und Gemüse.

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